Es war nicht leicht

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susannelala Avatar

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Das Buch 'Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen' von Christien Brinkgreve ist ein stark autobiographischer Roman. Die Autorin ist Soziologin und erzählt darin oft analytisch geprägt von dem Leben mit ihrem Ehemann, hier nur mit A. abgekürzt; von den frühen Jahren mit den gemeinsamen Söhnen, den Brüchen und den Schwierigkeiten der Kommunikation sowie von Krankheit, Tod und Trauer. Das Ausmisten des gemeinsamen Hauses zeigt ihren Weg auf, mit den vielen Dingen und Erinnerungen umzugehen. Sie möchte das Positive bewahren und belastende Dinge und Aspekte aussortieren. A. erscheint als ein wenig sympathischer, beruflich erfolgreicher Mann, welcher besonders nach seiner Pensionierung kaum zu ertragen war. Seine Depression und der traurige Verlust durch den Tod seiner Schwester in Kindertagen erscheinen wie dunkle Schatten in dem zunehmend ungastlichen Haus. Mehrfach fragt sich Christien, warum sie A. nicht verlassen hat und blickt auf ihre Familiengeschichte zurück, in der die Frauen mit positiver Energie gewirkt und eigene Interessen, wie damals sehr üblich, hinten angestellt haben. Trotz ihres beruflichen Werdegangs als Professorin mit Forschung im Bereich feministischer Fragestellungen, bleibt ihr Rollenbild in der Familie überraschend traditionell. Sie lässt sich von ihrem Mann klein und auf Distanz halten, beide ziehen sich zunehmend zurück und ich frage mich, ob man hier noch von Liebe sprechen kann. Es ist ein in vielen Teilen bedrückendes Buch, welches einige kluge Sätze aufweist. Im Epilog wird gefragt ob die beiden Partner eigentlich zueinander gepasst haben. Das gemeinsame Leben war von viel Arbeit geprägt, es gab nur wenig Freude und Leichtigkeit für Christine, die glücklicherweise von Freunden, Sohn und Schwester Unterstützung und Anerkennung erfährt.