Gedankenkarussel

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anna7598 Avatar

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Mit „Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ legt Christien Brinkgreve ein sehr persönliches, autobiografisch geprägtes Werk vor, das sich mit Liebe, Verlust und Selbstverortung im späteren Lebensabschnitt auseinandersetzt. Der Anspruch, emotionale Erfahrungen analytisch zu durchdringen und zugleich erzählerisch zugänglich zu machen, ist dabei durchaus spürbar. Dennoch fiel es mir schwer, einen Zugang zur Gedanken- und Gefühlswelt der Autorin zu finden.

Viele Passagen kreisen um ähnliche Fragestellungen, Motive und innere Konflikte. Zwar entspricht so ein Gedankenkarussel durchaus der menschlichen Erfahrung, doch als publiziertes Werk hätte ich mir mehr Struktur und Entwicklung gewünscht. Statt neuer Perspektiven oder überraschender Einsichten entsteht häufig der Eindruck sehr privater Empfindungen wie bei Tagebucheinträgen. Gerade weil Brinkgreve als Soziologin einen analytischen Blick gewohnt ist, hätte ich mir stellenweise eine stärkere Einordnung oder gesellschaftliche Weitung gewünscht. So bleibt der Text stark im Persönlichen verhaftet und bietet wenig, das über individuelle Verarbeitung hinausgeht. Gleichzeitig bewegt sich das Buch meiner Auffassung nach stets auf einer sehr abstrakten, wenig anschaulichen Ebene. Für mich ergaben sich keine wirklich neuen Erkenntnisse; nach knapp der Hälfte habe ich das Buch abgebrochen.

Insgesamt ein ehrliches, aber inhaltlich und strukturell nicht überzeugendes Werk – keine Empfehlung.