Geht unter die Haut

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
ranke Avatar

Von

"Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" von Christien Brinkgreve ist ein treffender Titel für diesen autobiographischen Roman.
Auf dem Cover eine stilisierte Vase mit bunten Blumen darin.
Durch die Leseprobe und das Cover hatte ich mir zwar etwas andere Vorstellungen gemacht, ich dachte, es ginge noch mehr darum, in dem schwer in die Jahre gekommenen Haus nach dem Tode von A. (Christiens Ehemann) wieder Ordnung zu schaffen.
Dieses Ordnen oder Ausmisten ist aber nur der Aufhänger der weiteren Gedankengänge. Es geht nämlich darum, die lange Ehe des Akademikerpaares aufzuarbeiten. Leider hat sich in ihr sehr viel Wut aufgetaut. Obwohl Christien (Jg. 1949) eine emanzipierte Frau ist, ist sie durch Ehe und Kinder in ein gewisses Rollenklischee gerutscht, das aber durch ihren Mann A. eingefordert und verlangt wird.
A. muss schon in den ganzen Ehejahren sehr starrsinnig und verknöchert gewesen sein.
Alles in allem ein interessanter Ansatz, der auch mit vielen Literaturzitaten unterlegt wird. Meiner Meinung nach, ist das Buch sehr unstrukturiert und hat gewisse Längen.
Es ist aber sehr sehr interessant und geht beim Lesen echt unter die Haut. Alle fragen, warum sie ihren Mann nicht verlassen hat. Vielleicht, weil die Behandlung subtil war und die Aufrechterhaltung der Ehe im Vordergrund stand.
Das Buch berührt mich aus sehr persönlichen Gründen. Da musste man bei den Beschreibungen schonmal ganz schön schlucken.
Ob ich das Buch empfehlen würde, weiss ich nicht. Es kann allerdings sehr zum Nachdenken anregen.