Gut geschrieben nur nicht mein Fall

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Der Mann der Hauptcharakterin ist verstorben. Beim Ausräumen des gemeinsamen Hauses rechnet sie mit ihrer Beziehung ab. Wo hat ihr die Beziehung geholfen? Wo hat sie dadurch Einschränkungen erlebt? Und mit jedem Schatz und jedem bisschen Müll, die sie findet, legt sie mehr Erinnerungen frei.

Das Buch setzt sich sehr realistisch und ehrlich mit dem Thema Trauerarbeit auseinander. Es ist nicht alles brav in fünf Phasen unterteilt und dann fühlt man sich danach erleuchtet.
Die Hauptcharakterin muss ihr ganzes Leben noch einmal betrachten. Sie schaut sich an, wie sie trotz des progressiven und akademischen Haushalt, in dem sie lebt, den Hauptteil der Care-Arbeit übernehmen muss. Es wird klar, dass ihre Beziehung zu ihrem Mann zwar von Faszination aber auch einer tiefen Missgunst bestimmt ist. Ihre Gefühle wurden über Jahrzehnte hin untergraben und ignoriert.
Die Gedanken, die im Buch festgehalten sind, sind sehr feministisch und durchaus interessant. Die Hauptcharakterin hat ein unfassbar faszinierendes Leben gelebt.
Dennoch war das Buch leider nicht ganz mein Fall. Zum einen gab es einige esoterische Aspekte, die zwar nicht gravierend waren, aber so gar nicht meinen Geschmack getroffen haben. Und dann war es leider so, dass sich dieses Buch für mich sehr gezogen hat. Das Buch umfasst nur knapp zweihundert Seiten, doch es hat sich angefühlt, als würde ich Ewigkeiten daran lesen.

Trotz interessanter Themen war mir das Buch zu repetitiv und langwierig. Ich kann es aber durchaus Menschen empfehlen, die gerade selbst auch Trauer durchleben. Vor allem wenn der betrauerte Mensch sehr ambivalent war.