Hatte anderes erwartet - trotzdem bereichernd

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Auch wenn ich mit gänzlich anderen Erwartungen in das Buch reingegangen bin, bin ich doch positiv überrascht worden. Ich hatte mir mehr Aufarbeitungsarbeit und Reflexion der Protagonistin gewünscht. Dass tatsächlich beleuchtet wird, was es für die individuelle Person bedeutet, nach so einem Schicksalsschlag alleine zurück zu bleiben und sich der Frage stellen muss, ob man seine eigenen Wünsche tatsächlich erfüllt hat oder aber eher für den Partner gelebt hat. Ich hätte mir durch die Reise der Protagonistin bzgl. Trauerbewältigung, Selbstfindung und -akzeptanz einen emotionalen "Leitfaden" gewünscht, um das eigene, ähnliche Schicksal auch literarisch besser zu verarbeiten. Letzten Endes ging es dann aber doch eher darum, wie die Protagonistin ihren Mann in Erinnerung behalten hat und wie er sich zunehmend über die Jahre (ihr gegenüber) verändert hat.

Dadurch bekommen wir einen guten Einblick in die zwischenmenschliche Beziehung und wie sich das Gesicht der Trauer tatsächlich zeigt. Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen und ich mochte viele ihrer tiefgründigeren Gedanken sehr gerne. Das Buch transportiert eine sehr warme und wertschätzende Atmosphäre dem Verstorbenen gegenüber, auch wenn anfangs eher eine ablehnende Einstellung ihm gegenüber deutlich wird.

Auch wenn ich nicht das bekommen habe, was ich anfangs gehofft hatte, bin ich doch sehr froh das Buch gelesen zu haben. Ich mochte die Sicht der Protagonistin auf das Geschehene sehr gerne und hat die Erfahrung der Trauer mehr dreidimensional gemacht.