Irgendwie Hoffnungslos

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linda.konig12 Avatar

Von

„Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“
Von Christien Brinkgreve

In einer Übersetzung von
Lisa Mensing

„Es gibt einen Kipppunkt, an dem die Versuche, Ordnung zu schaffen, in Chaos umschlugen (…)
Im Angesicht des Todes nehme ich seine Mutlosigkeit wahr.“

Als ich dieses Buch zur Hand genommen habe, habe ich mit einer Menge gerechnet, aber nicht damit.
Dieser Text ist sehr autobiografisch und mir irgendwie auch fast schon zu intim.
Ich habe mich an manchen Stellen sehr unwohl gefühlt, mir war der direkte Einblick manchmal zu nah.

Das Buch beginnt mit dem Tod des Mannes der Autorin.
Sie erzählt davon, wie sie nach der Beerdigung versucht, das Haus mit den vielen Dingen und den Erinnerungen zu sortieren.
Sie reflektiert über ihr Leben und über ihre Ehe und versucht, die Geschehnisse zu verarbeiten.
Immer wieder kommt durch, dass es nicht die Beziehung war, die sie sich erhofft hat.
Es war vieles nicht gut, eine Wut ist in ihr.

Sie schreibt, dass dies eine Liebesgeschichte ist und sie möchte Einsicht darüber gewinnen, wie es so geworden ist und wie es anfing und wo sie hängen geblieben sind. Und das beschreibt sie sehr nah, intim und offen, vor allem aber in sehr klugen und poetischen Sätzen.

Wie welche Erfahrungen im Leben sich auf den Rest und auf die Zweisamkeit auswirken und was sie versäumt hat und wann vielleicht ein Punkt gewesen wäre, zu gehen. Das zu lesen ist sehr schmerzhaft und macht mich ein wenig deprimiert und beim Lesen habe ich fast ein wenig die Hoffnung verloren.

Zugegeben, der Schreibstil und dieses sehr intim-erzählende, hat mich zu Beginn etwas irritiert.
Es liest sich in den kurzen Kapiteln ein bisschen wie ein Brief an mich.
Ein Brief meiner älteren Tante, ihr Mann ist verstorben und sie berichtet mir von ihrer Ehe und nun werden die Karten auf den Tisch gelegt.
Es wird nichts beschönigt und ich bekommen ihre direkte Verarbeitung präsentiert.

Am Anfang mochte ich es nicht und zwischendurch dachte ich, ich glaube, ich bin zu jung für dieses Buch.
(Die Gedanken habe ich nicht oft. Meistens denke ich, ich bin zu alt für dieses Buch…) Aber es hat mich dann doch immer mehr in den Bann gezogen und ich konnte einige gute Gedanken für mich rausziehen.

Was Trauer eigentlich zu bedeuten hat. Wie und warum trauern wir?
Und auch Trauer darüber, was alles nicht war und über verlorene Chancen traurig zu sein, kann einen beschäftigen, wenn der Partner gestorben ist.
Auch wenn die Ehe nicht gut war.
Vielleicht finde ich vor allem traurig, dass man erst soweit kommen muss, als Paar und am Ende sagt man sich: so, das war’s jetzt und es war nicht schön.