Liebe danach

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rageforbooks Avatar

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Das Buch reiht sich ein in Geschichten über Verlust, man muss sofort denken an Joan Didion oder auch an das kürzlich erschienene Buch von Siri Huverstedt, alles intellektuelle, alte, weiße erfolgreiche Frauen, auf eine langen Ehe zurückblickend.

Aber hier ist etwas anders, die Liebe erscheint nicht so schillernd. Das Buch handelt davon, dass hier zwei Dinge betrauert werden müssen, der unmittelbare Verlust des Mannes durch den Toa, aber auch der mittelbare Verlust einer Liebe, die nie ganz aufgehen konnte, nie ganz so gelebt werden konnte, wie man es sich gewünscht hat. Das macht die Trauerarbeit danach so viel schwerer, die teilweise ungelebte gemeinsame Liebe muss auch betrauert werden. Und ich denke, hier drin liegt die Stärke des Buches, weil viele, wenn nicht gar alle diese Erfahrung mit dem Tod eines geliebten Menschen und den Umgang danach in unserem so oft beschädigten Lebem machen müssen. Deswegen ist das Buch so gut, weil es uns helfen kann, darüber zu reflektieren, was wir von der Liebe erwarten und wofür wir dafür einstehen können (oder wo auch nicht). Und außerdem uns aufzeigt mit welchen widersprücje und Ambivalenz wir mit unserem Mitmenschen und in uns stets zu kämpfen haben.

Man merkt, wie hart die Autorin versucht, ehrlich zu sein, aber ihr weibliches Gemüt, aufrichtig, fair und anständig sein, scheint hier manchmal wie ein kleines Hindernis, wenngleich es auch fast engelhaft ist und sich jede dessen versuchen sollte. Ein Hindernis ist es vielleicht trotzdem, weil mir irgendwas in der Erzählung vielleicht verschlossen bleibt (beispielsweise gibt es nichts zum Thema Sex). Aber ich habe mich durch das Buch erinnert, dass wir Frauen uns nicht nur im öffentlichen Raum Raum nehmen sollen, sondern auch im Privaten unsere Sehnsucht nach Liebe schamlos Raum geben sollten.