Nachdenken über Liebe und ihre Vergänglichkeit.

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easymarkt3 Avatar

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Dieser Roman der niederländischen Professorin für Soziologie stellt sich nach dem Tod ihres Ehemannes der großen Aufgabe, das große Haus und das gemeinsame Eheleben zu entrümpeln bzw. kritisch zu beleuchten. Das große, Zeit und Kraft raubende Projekt gestaltet sich komplizierter nicht nur wegen der offensichtlichen Verwahrlosung des Hauses, sondern auch wegen der schichtweisen Aufdeckung beidseitiger traumatischer Kindheitserinnerungen. Dass dadurch auch das Eheleben nicht frei von negativen Strudeln bleibt, wird in unsortierten Reflektionen mehrfach betont, macht Trauerarbeit ungeordneter. Das Unangenehme im Eheleben dieser autobiographischen Bestandsaufnahme kommt offen zur Sprache, insgesamt ohne Namensnennung. Die Geschichte über die Trauer um jemanden, der schon zu Lebzeiten, besonders nach seiner Pensionierung, innerlich depressiv in sich verschwindet, kristallisiert sich schließlich heraus. Wie konnte da genug Platz für die Autorin als liebende Ehefrau an seiner Seite übrigbleiben, die sich verstärkter Messer scharfer Kritik ihres Mannes ausgesetzt sieht. Beide gekonnt im Umgang mit Worten fühlt sie sich in Interaktionen mit ihm wehrlos, jedoch in der Außenwelt, besonders in ihrem Berufs- und Freundeskreis gleichzeitig mit selbstsicherer, kräftiger Stimme vernehmbar. Die chronologische Aufarbeitung ihrer beider traumatischer Kindheit, erfolgreicher Berufstätigkeit und zweiter Ehe wird nicht gut strukturiert beschrieben.
Insgesamt mehr als nur ein abgeschlossener Trauerprozess.