Von Liebe keine Spur
Christien Brinkgreve hat lange Jahre als Soziologieprofessorin an niederländischen Unis geforscht und gelehrt und ist nun in Rente. Wie jeder nach 3 Sekunden googeln herausfinden kann, war ihr verstorbener Mann Arend Jan Heerma van Voss. Da nützt es auch nichts, dass sie diesen in diesem autobiografischen Rückblick mit A. abkürzt, anonym wird so eine wahre Geschichte über ein öffentlich bekanntes Paar nicht sein.
Nun ist A. also verstorben und Christien blickt auf ihr Leben und auf die Beziehung mit ihm zurück. Leider lässt sie dabei kaum ein gutes Haar an ihm: durch ihre Augen erleben wir einen ziemlich unsympathischen Mann, der von ihr gefordert hatte, ihr eigenes Haus zu verkaufen, der für die unangenehme Atmosphäre in dem neuen gemeinsamen Haus von ihr als hauptverantwortlich angesehen wird und der sie auch in ihrem Selbstwert eher schwächt und sie beruflich nicht unterstützt. Warum das Buch "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" heißt, ist mir ein Rätsel, denn von Liebe war für mich zumindest von Seiten der Autorin im Rückblick auf ihren verstorbenen Mann für mich wenig zu spüren.
Sich selbst betrachtet die Autorin weit weniger kritisch und man hat fast den Eindruck, als ob ihr ihre bemerkenswerte Karriere als Soziologieprofessorin mit Schwerpunkt auf Geschlechterbeziehungen gegen alle Widerstände gelungen wäre. Am interessantesten waren für mich noch die Einblicke in die frühe Zeit der Frauenberufungen auf Professuren und darauf, wie wenig Platz für die Verbindung von Mutterschaft und Karriere war, damals wohl noch ein Stück mehr als heute:
"Musste man sich als arbeitende Frau aller Kinderspuren entledigen, zerstörte mna mit Brei auf der neuen Bluse das sorgfältig aufgebaute Image innerhalb der männlichen ARbeitswelt? Sollte man bei der Frage nach einem Kinderwunsch, die bei Bewerbungsgesprächen unverfroren gestellt wurde, lügen? Man konnte beides kombinieren, Kinder und Arbeit, das war ein Gewinn, aber es waren die Frauen, die sich verbiegen und ihre wichtigsten Eigenschaften zurückstellen mussten, um das zu bewerkstelligen." (S. 59)
Zu diesem Thema gibt es einige durchaus interessante Reflexionen und historische Einblicke. Den Großteil nimmt allerdings der Rückblick auf die Beziehung zu ihrem verstorbenen Mann ein, und dieser ist, wie gesagt, in vielem sehr gnadenlos. Wie der Verstorbene wirklich war, können wir Lesenden nicht beurteilen. Ich wünsche aber keinem, das auf so eine Art öffentlich auf ihn zurückgeblickt wird. Fast schon fühlt sich das Buch für mich wie eine späte Rache einer verbitterten Frau an, wofür auch immer.
Nun ist A. also verstorben und Christien blickt auf ihr Leben und auf die Beziehung mit ihm zurück. Leider lässt sie dabei kaum ein gutes Haar an ihm: durch ihre Augen erleben wir einen ziemlich unsympathischen Mann, der von ihr gefordert hatte, ihr eigenes Haus zu verkaufen, der für die unangenehme Atmosphäre in dem neuen gemeinsamen Haus von ihr als hauptverantwortlich angesehen wird und der sie auch in ihrem Selbstwert eher schwächt und sie beruflich nicht unterstützt. Warum das Buch "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" heißt, ist mir ein Rätsel, denn von Liebe war für mich zumindest von Seiten der Autorin im Rückblick auf ihren verstorbenen Mann für mich wenig zu spüren.
Sich selbst betrachtet die Autorin weit weniger kritisch und man hat fast den Eindruck, als ob ihr ihre bemerkenswerte Karriere als Soziologieprofessorin mit Schwerpunkt auf Geschlechterbeziehungen gegen alle Widerstände gelungen wäre. Am interessantesten waren für mich noch die Einblicke in die frühe Zeit der Frauenberufungen auf Professuren und darauf, wie wenig Platz für die Verbindung von Mutterschaft und Karriere war, damals wohl noch ein Stück mehr als heute:
"Musste man sich als arbeitende Frau aller Kinderspuren entledigen, zerstörte mna mit Brei auf der neuen Bluse das sorgfältig aufgebaute Image innerhalb der männlichen ARbeitswelt? Sollte man bei der Frage nach einem Kinderwunsch, die bei Bewerbungsgesprächen unverfroren gestellt wurde, lügen? Man konnte beides kombinieren, Kinder und Arbeit, das war ein Gewinn, aber es waren die Frauen, die sich verbiegen und ihre wichtigsten Eigenschaften zurückstellen mussten, um das zu bewerkstelligen." (S. 59)
Zu diesem Thema gibt es einige durchaus interessante Reflexionen und historische Einblicke. Den Großteil nimmt allerdings der Rückblick auf die Beziehung zu ihrem verstorbenen Mann ein, und dieser ist, wie gesagt, in vielem sehr gnadenlos. Wie der Verstorbene wirklich war, können wir Lesenden nicht beurteilen. Ich wünsche aber keinem, das auf so eine Art öffentlich auf ihn zurückgeblickt wird. Fast schon fühlt sich das Buch für mich wie eine späte Rache einer verbitterten Frau an, wofür auch immer.