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„Ein weites Leben“ von M. L. Stedman ist ein Familienroman über Verlust, Schuld, Liebe und darüber, wie schwer aber auch wichtig es ist, nach schweren Ereignissen wieder zurück ins Leben zu finden.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus verschiedenen personalen Erzählperspektiven, wobei der Hauptfokus hier eher auf Matthew liegt.
Für mich aber, haben genau diese Perspektiven den Einstieg in die Geschichte total erschwert…

Die Geschichte begleitet die Familie MacBride auf einer abgelegenen Schaffarm in West-Australien und zeigt, wie sehr ein einzelnes Ereignis ein ganzes Leben verändern kann. Vor allem Matthew, der nach einem schweren Unglück als einziger überlebt… allerdings mit schweren Beeinträchtigungen. Und dieses Schicksal bleibt nicht das einzige in dieser Geschichte…

Mir hat besonders die ruhige und gleichzeitig emotionale Erzählweise sehr gefallen. Zudem auch, wie viel Tiefe in jeder einzelnen Figur steckt. Wie viel Zeit sich das Buch für jede einzelne Figur genommen hat. Wie viel die Autorin hier einfach hineingesteckt hat.

Und jetzt kommt das große Aber:

Im 8. Kapitel gab es folgenden Ableistischen Satz, den ich für Euch aus dem Hörbuch rausgeschrieben habe:
„Wenn die Tiere angeblich nass waren, obwohl selbst ein Blinder gesehen hätte, dass kaum ein Wölkchen am Himmel stand.“

Solche Formulierungen werden leider oft verwendet, um etwas als „offensichtlich“ zu betonen, greifen dabei aber auf stereotype Vorstellungen von Behinderung zurück und machen Blindheit sprachlich zum Symbol für Unfähigkeit oder mangelnde Wahrnehmung, wodurch ableistische Denkmuster normalisiert werden.