Familiengeheimnisse

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Die Familie McBride betreibt eine Schaffarm im australischen Outback. Zwischen 1958 und 2000 erzählt der Roman von Schicksalsschlägen, von Todesfällen und Geburten, von Schuld und der Suche nach Wahrheit, von Liebe in allen Facetten. Und das immer vor der Kulisse der großartigen Natur Australiens mit all ihrer Schönheit und auch ihrer Gewalten.
M. L. Stedman beschreibt sehr einfühlsam die Geschichte der McBrides und den Einfluß eines großen Geheimnisses, das auf keinen Fall ans Licht kommen darf und doch viele Mitglieder der Familie beschäftigt. Beim Lesen leidet man mit Lorna, die durch einen Unfall ihren Mann und ältesten Sohn verliert. Sie ist eine starke Frau, hält die restliche Familie zusammen, erzieht ihre Lieben zu ehrenhaften und ehrlichen Menschen. Man durchlebt mit Matt die Folgen des Unfalls und die viele Höhen und Tiefen in seinem Leben. Man erlebt Andy heranwachsen, durch die Abgeschiedenheit auf der Farm fast wie in einer Blase zwischen Wohlbehütetsein und den eigenen Fragen, die ihm keiner beantwortet kann oder möchte.
Die Natur spielt eine große Rolle, die Autorin beschreibt sie eindrücklich in satten Farben und Gerüchen. Fast sieht man den roten Staub in jeder Ritze, die Weite des ausgedörrten Landes und die Schafe auf den kümmerliche3n Weiden.
Ein anderes Thema ist das Anderssein in einer kleinen australischen Gemeinde, in der nicht viel Verständnis dafür aufgebracht wurde. Hier hat alles seine Ordnung, Männer von Schaffarmen heiraten Frauen von Schaffarmen, wer anders lebt und liebt macht sich verdächtig und wird kritisch beäugt.
Die Geschichte wird von ein paar Personen abgerundet, die klischeehaft sein könnten, sich aber wunderbar in das Gesamtbild einfügen, wie zum Beispiel die neugierige Frau des Postmeisters oder der gutmütige alte Sheriff, der durch einen neuen harten Hund ersetzt wird.
Dieser Roman hat viele Facetten und versteht es in seinem leichten Schreibstil gut zu unterhalten. Große Gefühle kombiniert mit Zeitgeist und der Geschichte Australiens haben mich beim Lesen in ihren Bann gezogen. Stedman hat genau das beschrieben, was sie mit ihrem Titel ausdrückt: Ein weites Leben!