Neustart in Wilsgrave

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Buckinghamshire. Ella braucht nach der Trennung von Patrick unbedingt eine Auszeit. Auch im Job als Illustratorin läuft es nur mäßig. So passt es wunderbar, dass ihre Patentante sie bittet, ein halbes Jahr ihr Haus in Wilsgrave zu hüten. Die junge Frau möchte zur Ruhe kommen und neue Inspiration für ihre Zeichnungen sammeln. Die Dorfbewohner haben allerdings andere Pläne. Sie laden sie zum Tanzen, gemeinschaftlichen Treffen und zu Wohltätigkeitsbasaren ein. Im Nu ist Ella eingebunden und lernt sogar den attraktiven Tierarzt Dean nach anfänglichen Schwierigkeiten besser kennen. Die Sehnsucht nach dem Großstadtleben nimmt immer weiter ab.

Julie Caplin beginnt mit diesem Roman eine weitere Escape-Reihe. Dieses Mal geht es jeweils in wunderschöne Gegenden Großbritanniens. Die Autorin bleibt ihrem bewährten Konzept treu: Ihre Protagonistin steht vor einer Lebensentscheidung, die nicht nur den Wohnort, sondern den gesamten Lebensentwurf betrifft. Die Umgebung wird bildhaft beschrieben und man fühlt sich in dem kleinen Dorf lesend zu Hause. Ella hat von Anfang an alles, was zu einem gemütlichen Dorfleben gehört: einen knuddeligen Labrador, ein behagliches Zuhause und vor allem rückt das quirlige Leben der Großstadt mit jeder Minute weiter weg. Schnell findet sie durch Bets Anschluss bei den gemeinschaftlichen Treffen und hat nun auch jemanden an ihrer Seite, die die notwendigen Erklärungen liefert. So erfahren auch wir, dass Dean nicht freiwillig die Praxis seines Vaters vertritt. Die Neugier wird geweckt und man möchte nun natürlich wissen, was dahintersteckt und wie es denn wohl ausgeht. Nach mehr als zehn Romanen von Julie Caplin wurde ich zwar nicht mehr überrascht, aber genoss das vertraute Wohlgefühl, das bei jedem Umblättern stärker wurde.

Entschleunigung und Herzenswünsche
Tess nimmt als Haustier ebenfalls eine wichtige Rolle ein. Der treuherzige Labrador sorgt dafür, dass die Figuren zusammenfinden und miteinander ins Gespräch kommen. Außerdem ist die Hündin so groß, dass man durchaus wissen sollte, wie man bei ihr die Führung übernimmt. Ellas Anfängerfehler sorgen dabei immer wieder für humorvolle Situationen, die die Geschichte auflockern. Gleichzeitig kann man gut nachempfinden, dass sie mit Abstand zu ihrem Londoner Leben neue Inspiration für ihre Zeichnungen bekommt. Die Zeichnungen rund um Mäuserich Cuthbert begeistern jedenfalls über die Grenzen von Wilsgrave hinaus und stärken Ellas Selbstbewusstsein. Ihre Entwicklung wirkt glaubhaft, sodass man sich bei diesem Roman nur noch zurücklehnen und für ungestörten Lesegenuss sorgen muss.

Ein Zuhause im Frühling ist ein klassischer Wohlfühlroman mit Herz, Humor und ländlicher Idylle. Julie Caplin erzählt eine ruhige, warme Geschichte über Neuanfang, Selbstfindung und das Ankommen an einem Ort, der mehr wird als nur ein Rückzugsort. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, die Dorfgemeinschaft wirkt authentisch und die Atmosphäre lädt zum Abschalten ein. Ohne große Überraschungen, aber mit viel Charme, entsteht ein Roman, der Geborgenheit vermittelt, entschleunigt und genau das bietet, was man sich von einer Escape-Geschichte erhofft. Der zweite Band trägt den Titel Ein Wiedersehen im Sommer.