Wenn im Frühling nicht nur die Natur, sondern auch das Herz aufblüht 🐕🌷🎨

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jennifer.gneiting Avatar

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Zitat:
„Ich hatte mich an all die Galerien gewöhnt, in die wir gingen. An die Kunst, die wir sahen. An die Leute, mit denen wir uns umgaben. Und dabei habe ich ganz vergessen, dass es da draußen ein viel breiteres Spektrum an Leuten und Themen gibt. Eine andere Art, die Dinge zu sehen oder tun. Ich war so sehr an unsere Gewohnheiten gewöhnt, dass ich aufgehört habe, irgendetwas infrage zu stellen.“

Schreibstil:
Der Schreibstil von Julie Caplin ist nicht außergewöhnlich oder besonders literarisch anspruchsvoll, aber genau darin liegt auch seine Stärke. Er liest sich unglaublich flüssig und konsistent – einer der Hauptgründe, warum ich ihre Bücher immer wieder so gerne lese.
Erzählt wird aus einer personalen Perspektive, die zwischen Ella und Devon wechselt. Dadurch erhält man Einblicke in die Gedanken und Gefühle beider Figuren. Mir gefällt diese Erzählweise sehr, weil sie es ermöglicht, sowohl die Sicht der Protagonistin als auch die des Protagonisten zu verstehen und innerhalb einzelner Szenen zu wechseln, ohne für Verwirrung zu sorgen.
Der Stil wirkt insgesamt sehr ausgewogen. Dialoge, Gedanken und Beschreibungen der Umgebung stehen in einer guten Balance, wodurch sowohl die Emotionen der Figuren als auch die Atmosphäre des Dorfes und der beginnende Frühling schön zur Geltung kommen.
Ein kleines, aber erwähnenswertes Detail ist außerdem die illustrierte Karte des Dorfes Willsgrave, die dem Buch beigefügt ist. Als jemand, der Karten und Illustrationen in Büchern sehr liebt, habe ich mich darüber besonders gefreut – vor allem, weil sie sogar bunt gestaltet ist, was eher selten vorkommt.
Leider gibt es hier jedoch einige Unstimmigkeiten zwischen Karte und Text. Die Reihenfolge der Häuser passt teilweise nicht zu den Beschreibungen im Buch, und auch einzelne Details unterscheiden sich. So wird beispielsweise das Haus der Familie Ashcroft im Text mit einer großen, glänzend roten Eingangstür und einem darüberliegenden Bogenfenster beschrieben, während die Illustration eine schlichte beige Tür ohne Fenster zeigt. Das ist zwar kein gravierender Fehler, fällt aber auf, wenn man sich gerne an solchen Karten orientiert.
4/5 ⭐

Charaktere:
Ella mochte ich besonders in der zweiten Hälfte des Buches sehr gerne. Sie ist eine junge Frau, die sich nach einem schwierigen Abschnitt ihres Lebens neu orientieren muss. Schritt für Schritt findet sie wieder zu sich selbst und gewinnt an Stärke. Man merkt deutlich, dass ihr das Leben in der englischen Countryside guttut.
Mit Devon hatte ich anfangs deutlich mehr Schwierigkeiten. Sein erster Kommentar gegenüber Ella ist ziemlich hart und hat bei mir zunächst einen negativen Eindruck hinterlassen. Im Laufe der Geschichte erfährt man jedoch immer mehr über seine Hintergründe und versteht schließlich, warum er in diesem Moment so reagiert hat. Dadurch wurde er für mich immer sympathischer.
Besonders gefallen hat mir auch Bets, die später zu Ellas bester Freundin wird. Sie ist eine sehr energiegeladene, hilfsbereite und manchmal etwas aufdringliche Person. Gleichzeitig ist sie genau die Art von Freundin, die man im Leben gut gebrauchen kann – jemand, der zuhört, unterstützt und immer mit viel Energie für andere da ist.
Ganz anders sieht es bei Ellas ehemaligen Freunden aus. Sowohl ihr Ex-Freund Patrick als auch ihre frühere Freundin B, die sie später besucht, hinterlassen keinen besonders positiven Eindruck. Ihr Verhalten ist teilweise wirklich unsympathisch. Hier gelingt es der Autorin sehr gut, Figuren zu erschaffen, die man als Leser tatsächlich nicht besonders gern hat.
Ein riesiger Pluspunkt ist außerdem Tess, der Hund. Tess spielt in der Geschichte eine überraschend große Rolle und bringt unglaublich viel Energie und Dynamik in die Handlung. Für mich war sie fast der stärkste Charakter im ganzen Buch – und das, obwohl ich eigentlich eher ein Katzenmensch bin. Dass Tess mich trotzdem so begeistert hat, sagt also einiges aus.
4/5 ⭐

Geschichte:
Die Handlung selbst ist nicht besonders spannend – aber genau das macht ihren Reiz aus. Die Liebesromane der Autorin leben selten von großen dramatischen Wendungen, und auch hier verzichtet Julie Caplin bewusst auf künstliche Dramen.
Stattdessen besteht die Geschichte aus vielen kleinen, natürlichen Momenten des Alltags:
Spaziergänge mit den Hunden, Treffen des Frauenvereins, gemeinsame Abende im Pub oder das große Frühlingsfest mit Kuchenwettbewerb und Tombola. Menschen helfen sich gegenseitig und wachsen als Gemeinschaft zusammen.
Gerade diese ruhigen und alltäglichen Ereignisse verleihen dem Buch eine sehr authentische Atmosphäre. Die Figuren sind keine Teenager oder sehr jungen Erwachsenen, sondern Menschen Ende zwanzig oder Anfang dreißig, die mitten im Leben stehen. Dadurch wirken Konflikte und Entwicklungen deutlich reifer und glaubwürdiger.
Besonders schön ist auch die Frühlingsstimmung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Das Erwachen der Natur spiegelt sich in Ellas persönlicher Entwicklung wider: Blumen, Landschaften und das Gefühl eines Neuanfangs sind ständig präsent. Das Ende beim Frühlingsfest passt deshalb perfekt zur Geschichte und rundet die Handlung sehr stimmig ab
4/5 ⭐

Fazit:​
Ein Zuhause im Frühling ist ein klassischer Wohlfühlroman, der weniger durch große Spannung als vielmehr durch seine Atmosphäre, die charmante Dorfgemeinschaft und die glaubwürdige Entwicklung seiner Figuren überzeugt.
Besonders die vielen kleinen, alltäglichen Momente – Spaziergänge mit den Hunden, Treffen im Dorf oder das Frühlingsfest – verleihen der Geschichte eine sehr natürliche und authentische Stimmung. Statt künstlicher Dramen steht hier das Leben selbst im Mittelpunkt, mit all seinen kleinen Veränderungen und Neuanfängen.
Gerade diese ruhige, warme Atmosphäre macht den Roman zu einer sehr angenehmen Lektüre, die sich leicht lesen lässt und dennoch eine schöne Botschaft über Freundschaft, Gemeinschaft und persönliche Entwicklung vermittelt.
4/5 ⭐