Irgendwo zwischen Selbstbewusstsein und Selbstzweifel

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Manchmal trifft ein Buch genau den Nerv der Zeit – leise, klug und überraschend berührend. Einatmen – Ausatmen von Maxim Leo gehört für mich dazu. Der Roman erzählt von Menschen, die nach außen funktionieren und innerlich längst ins Wanken geraten sind.
Im Mittelpunkt steht Marlene Buchholz, eine hochkompetente Managerin auf dem Sprung zur Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns. Sie denkt schnell, entscheidet klar und hält Gefühle konsequent auf Abstand. Gerade das wird ihr zum Problem. Um ihre „soziale Kompetenz“ zu verbessern, wird sie zu einem Coaching in ein abgelegenes Brandenburger Schloss geschickt – zu Alex Grow, einem gefeierten Achtsamkeitscoach, der selbst kurz vor dem Zusammenbruch steht.
Was folgt, ist keine laute Verwandlungsgeschichte, sondern eine stille Annäherung. Marlene bleibt zunächst kühl und skeptisch, doch kleine, unerwartete Begegnungen – mit einem verletzten Wildschwein, einem zurückhaltenden Hausmeister und einem dreizehnjährigen Mädchen – bringen ihre sorgfältig kontrollierte Welt ins Rutschen. Nicht durch große Erkenntnisse, sondern durch Nähe und Aufmerksamkeit.

Maxim Leo erzählt diese Geschichte mit feinem Humor und großer Empathie. Er nimmt den Achtsamkeits- und Selbstoptimierungsboom sanft auf die Schippe, ohne ihn zu entwerten. Der Roman ist komisch, ohne flach zu sein, und berührend, ohne Pathos. Besonders überzeugt hat mich die leise Botschaft: Veränderung lässt sich nicht planen. Sie beginnt dort, wo wir bereit sind, kurz stehen zu bleiben und wirklich hinzusehen.