Ein Buch, das sich total schnell wegliest, aber trotzdem hängen bleibt
Rezension zu Einatmen, Ausatmen von Maxim Leo, erschienen im Kiwi Verlag.
Inhalt (spoilerfrei): In "Einatmen, Ausatmen" geht es um Marlene Buchholz, die kurz davor steht, Vorstandsvorsitzende eines Konzerns zu werden. Das Problem ist aber, dass ihr aus Sicht der anderen Empathie fehlt. Deshalb wird sie von ihrem Vorgesetzten zu einem Coaching in eine Academy in einem Schloss in Brandenburg geschickt, wo sie lernen soll, sich zu öffnen.
Erzählstil & Sprache: Was mir direkt aufgefallen ist, ist dieser leicht ironische Ton, vor allem bei Marlene. Da schwingt oft so ein trockener Sarkasmus mit, der total gut zu ihr passt und gleichzeitig zeigt, wie sehr sie sich emotional abgrenzt. Gleichzeitig ist das Buch an vielen Stellen total ruhig und fast schon andächtig geschrieben, besonders wenn es um Natur oder zwischenmenschliche Momente geht. Diese Mischung fand ich richtig schön, weil sie dem Ganzen Tiefe gibt, ohne schwer zu wirken. Ein kleiner Punkt, der mich ein bisschen rausgebracht hat: Es wird ein paar Mal das generische Maskulinum verwendet. Das passt für mich nicht ganz zu dieser sonst so sensiblen und modernen Erzählweise.
Figuren: Marlene fand ich als Figur richtig spannend. Ich konnte mich teilweise total gut in sie hineinversetzen und war gleichzeitig nicht immer mit ihr einverstanden. Genau das mag ich aber, weil sie dadurch so greifbar wird. Man merkt bei ihr einfach, dass sie über Jahre etwas aufgebaut hat, das sie schützt, aber eben auch von anderen entfernt. Die Geschichte wird abwechselnd aus ihrer Perspektive und aus der von Alex erzählt, dem Leiter der Academy. Ich mochte diese Doppelperspektive, auch wenn sich die Stimmen manchmal ein bisschen ähneln. Bei Marlene kommt dieser ironische Unterton für mich aber viel stärker durch. Alex hat mich ehrlich gesagt nicht ganz so abgeholt. Ich fand ihn interessant, aber da hätte ich mir noch mehr Tiefe gewünscht. Was ich dafür umso schöner fand, sind die Begegnungen zwischen den Figuren insgesamt. Da entstehen Verbindungen, die sich sehr echt anfühlen und bei denen man wirklich gern zuschaut.
Thematik & Symbolik: Ein großer Punkt für mich war die Familiengeschichte von Marlene. Da geht es um Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und wie sich solche Erlebnisse über Generationen hinweg auf das Gefühlsleben auswirken. Das fand ich total spannend und auch sehr berührend eingebunden. Auch die symbolische Ebene hat mir richtig gut gefallen. Gerade in Verbindung mit Natur und Tieren zieht sich da eine Parallele durch das ganze Buch, die ich sehr stimmig fand. Es gibt zum Beispiel gegen Ende dieses Bild von Flucht und Orientierungslosigkeit sowie dem Wunsch nach Sicherheit, als die Tiere aus dem Wald vertrieben werden, was sich sehr gut auf die Figuren und ihren emotionalen Zustand übertragen lässt.
Kritikpunkte: Neben dem generischen Maskulinum gab es ein paar Stellen, die sich für mich nicht ganz realistisch angefühlt haben. Vor allem eine Nebenhandlung wirkte etwas konstruiert, auch wenn ich die Dynamik zwischen den Figuren darin eigentlich mochte. Außerdem hätte ich es interessant gefunden, wenn das Setting noch ein bisschen kritischer hinterfragt worden wäre, gerade in Bezug auf diese ganze Coaching- und Achtsamkeitswelt.
Fazit: Das ist so ein Buch, das sich total schnell wegliest, aber trotzdem hängen bleibt. Es hat für mich eine richtig schöne Mischung aus leisen, berührenden Momenten, ein bisschen Humor und Figuren, die sich echt anfühlen, auch wenn sie nicht perfekt sind. Vor allem Marlene ist mir im Kopf geblieben.
Für mich sind das 4 von 5 Sternen ✨
Inhalt (spoilerfrei): In "Einatmen, Ausatmen" geht es um Marlene Buchholz, die kurz davor steht, Vorstandsvorsitzende eines Konzerns zu werden. Das Problem ist aber, dass ihr aus Sicht der anderen Empathie fehlt. Deshalb wird sie von ihrem Vorgesetzten zu einem Coaching in eine Academy in einem Schloss in Brandenburg geschickt, wo sie lernen soll, sich zu öffnen.
Erzählstil & Sprache: Was mir direkt aufgefallen ist, ist dieser leicht ironische Ton, vor allem bei Marlene. Da schwingt oft so ein trockener Sarkasmus mit, der total gut zu ihr passt und gleichzeitig zeigt, wie sehr sie sich emotional abgrenzt. Gleichzeitig ist das Buch an vielen Stellen total ruhig und fast schon andächtig geschrieben, besonders wenn es um Natur oder zwischenmenschliche Momente geht. Diese Mischung fand ich richtig schön, weil sie dem Ganzen Tiefe gibt, ohne schwer zu wirken. Ein kleiner Punkt, der mich ein bisschen rausgebracht hat: Es wird ein paar Mal das generische Maskulinum verwendet. Das passt für mich nicht ganz zu dieser sonst so sensiblen und modernen Erzählweise.
Figuren: Marlene fand ich als Figur richtig spannend. Ich konnte mich teilweise total gut in sie hineinversetzen und war gleichzeitig nicht immer mit ihr einverstanden. Genau das mag ich aber, weil sie dadurch so greifbar wird. Man merkt bei ihr einfach, dass sie über Jahre etwas aufgebaut hat, das sie schützt, aber eben auch von anderen entfernt. Die Geschichte wird abwechselnd aus ihrer Perspektive und aus der von Alex erzählt, dem Leiter der Academy. Ich mochte diese Doppelperspektive, auch wenn sich die Stimmen manchmal ein bisschen ähneln. Bei Marlene kommt dieser ironische Unterton für mich aber viel stärker durch. Alex hat mich ehrlich gesagt nicht ganz so abgeholt. Ich fand ihn interessant, aber da hätte ich mir noch mehr Tiefe gewünscht. Was ich dafür umso schöner fand, sind die Begegnungen zwischen den Figuren insgesamt. Da entstehen Verbindungen, die sich sehr echt anfühlen und bei denen man wirklich gern zuschaut.
Thematik & Symbolik: Ein großer Punkt für mich war die Familiengeschichte von Marlene. Da geht es um Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und wie sich solche Erlebnisse über Generationen hinweg auf das Gefühlsleben auswirken. Das fand ich total spannend und auch sehr berührend eingebunden. Auch die symbolische Ebene hat mir richtig gut gefallen. Gerade in Verbindung mit Natur und Tieren zieht sich da eine Parallele durch das ganze Buch, die ich sehr stimmig fand. Es gibt zum Beispiel gegen Ende dieses Bild von Flucht und Orientierungslosigkeit sowie dem Wunsch nach Sicherheit, als die Tiere aus dem Wald vertrieben werden, was sich sehr gut auf die Figuren und ihren emotionalen Zustand übertragen lässt.
Kritikpunkte: Neben dem generischen Maskulinum gab es ein paar Stellen, die sich für mich nicht ganz realistisch angefühlt haben. Vor allem eine Nebenhandlung wirkte etwas konstruiert, auch wenn ich die Dynamik zwischen den Figuren darin eigentlich mochte. Außerdem hätte ich es interessant gefunden, wenn das Setting noch ein bisschen kritischer hinterfragt worden wäre, gerade in Bezug auf diese ganze Coaching- und Achtsamkeitswelt.
Fazit: Das ist so ein Buch, das sich total schnell wegliest, aber trotzdem hängen bleibt. Es hat für mich eine richtig schöne Mischung aus leisen, berührenden Momenten, ein bisschen Humor und Figuren, die sich echt anfühlen, auch wenn sie nicht perfekt sind. Vor allem Marlene ist mir im Kopf geblieben.
Für mich sind das 4 von 5 Sternen ✨