Ein unterhaltsamer Roman über Gemeinschaft, Zusammenhalt und das Finden des eigenen Wegs

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
danielaela Avatar

Von

Der Roman "Einatmen, Ausatmen" von Maxim Leo handelt von der erfolgreichen Karrierefrau Marlene, die wegen ihrer herausragenden Leistungen befördert werden soll. Einen Haken gibt es jedoch: Ihre sozialen Fähigkeiten lassen stark zu wünschen übrig und ihr kaltherziger Umgang mit ihren Kolleg*innen hat bereits für viel Empörung gesorgt. Daher wird sie zu einem zweiwöchigen Coaching verpflichtet, das ihr die nötige Mitmenschlichkeit, Feinfühligkeit und Empathie vermitteln soll. Coach Alex hingegen scheint genau die Eigenschaften zu besitzen, die Marlene fehlen. Er wirkt zudem charismatisch, glücklich, einnehmend und erfolgreich. Doch der Schein trügt, denn hinter dieser Fassade trägt auch Alex Päckchen mit sich herum, die sein Business zu zerstören drohen und ihn in einen inneren Konflikt treiben.
Das zweiwöchige Coaching wird am Ende beide Hauptcharaktere verändern – durch allerlei unerwartete Begebenheiten sowie die Begegnung mit vielen ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten.


Meine Meinung:
Die Charaktere waren völlig anders dargestellt als ich es erwartet hatte. Ich hatte damit gerechnet, dass mir Marlene -zumindest zu Beginn der Geschichte- sehr unsympathisch sein würde, doch dem war nicht so. Sie wirkte auf mich mehr unbeholfen als kalt, fast schon auf eine Art kindlich, und trotz aller negativen Eigenschaften nahbar. Letzteres vor allem deshalb, weil Maxim Leo immer wieder das Innenleben und die biografischen Hintergründe seiner Romanfiguren beleuchtet. Den Schreibstil habe ich als humorvoll und oft überzeichnet empfunden, zugleich nähert sich der Autor seinen Charakteren mit viel Feingefühl und Sanftheit. Das Zwischenmenschliche steht immer im Vordergrund.
Manche Szenen sind unglaubwürdig, übertrieben, chaotisch und auch ein bisschen bizarr dargestellt, was ich jedoch sehr mochte und was mich innerlich mehrfach zum Lachen gebracht hat.
Die so rasche komplette Veränderung von Marlene empfand ich als nicht sehr realistisch, was mich jedoch nicht störte. Ich hatte auch gar nicht das Gefühl, dass es dem Autor darum ging.
Mich hat das Buch, genau so, wie es ist, ziemlich gut unterhalten und oftmals auch sehr berührt. Ich habe mich jedes Mal gefreut, das Buch wieder zur Hand zu nehmen und an der Entwicklung der Charaktere teilhaben zu dürfen. Für mich waren sie alle Sympathieträger/innen.
Kurzzeitig hatte ich die Befürchtung, am Ende wäre alles komplett rosarot, mit filmreifer Liebesgeschichte und keinerlei Problemen mehr. Doch diese Sorge hat sich glücklicherweise nicht erfüllt. Der Schluss blieb etwas vage und offen, doch genau das empfand ich als stimmig. Wäre es anders gewesen, wäre die Geschichte für meinen Geschmack zu glatt gewesen.