Ein Waldspaziergang, ein paar Gespräche und zack: neue Lebenshaltung?
Es hätte so gut werden können! "Einatmen. Ausatmen" von Maxim Leo startet mit einer Figur, die ich sofort mochte. Marlene Buchholz, Zahlenmensch, Karrierefrau, trocken bis ins Mark. Eine Frau, die in einem Konzern alles nach vorne bringt, Gewinne durch die Decke jagt und dabei zwischenmenschlich verbrannte Erde hinterlässt. Ja tja, wie der typische Thomas halt (oder wie hieß der Kerl, dessen Name in Vorständen öfter vertreten ist, als Frauen grundsätzlich?) Sie ist keine Kuschelmanagerin, keine, die gefallen will. Eigentlich könnte ich mich auch die ganze Rezension lang über ihre Figur auslassen; darüber, dass Feminismus nicht heißt und heißen sollte, das Frauen* sich wie Männer* verhalten sollen um Erfolg haben zu können.
Wie dem auch sei: Marlene soll zur Gesellschafterin ihrer Firma werden, denn ihre Bilanz ist makellos. Aber wo es hakt, ist das Zwischenmenschliche. In der Personalabteilung häufen sich Beschwerden über ihren Umgang und Führungsstil. Also schickt man sie ins Achtsamkeits-Seminar. Purpose-Washing. Ein bisschen Ein- und Ausatmen, ein bisschen Selbstfindung, dann bitte geläutert zurück an die Spitze. Der Coach selbst steckt in der Krise, braucht sie als Erfolgsstory. Gute Ausgangslage, wirklich. Gerade weil Marlene mit ihrer trockenen Art alles zerlegt, was nach Business-Esoterik riecht. Ihre Pointen sitzen. Ihr Blick ist scharf. Ich mochte das sehr.
Am Anfang funktionierte diese Ausgangslage und Dynamik für mich auch. Die Wortgefechte zwischen Marlene und Alex, sie mit ihrer schonungslosen Logik, er mit seinem Wellness-Geseiere, an das er selbst kaum noch glaubt. In dieser westlichen Kommerzialisierung von Achtsamkeit blitzt eine richtig schöne Satire auf, die aber leider nicht fortgeführt wird. Stattdessen wird viel angerissen: Minimalismus, Death Cleaning, generationsübergreifende Traumata, Feminismus und Transdebatten, Tierbefreiungsaktionen, ein Hausmeister mit Ex-Astrophysiker-Vergangenheit, der plötzlich zur Schlüsselfigur wird. Es ist, als hätte jemand eine Liste spannender Themen gemacht und sie dann alle in knapp 250 Seiten gequetscht.
Was mich aber am meisten enttäuscht hat, war Marlenes "Entwicklung". Diese Frau, die jahrelang kompromisslos durch Unternehmen pflügt, dreht sich innerhalb weniger Tage um hundertachtzig Grad. Ein Waldspaziergang, ein paar Gespräche, ein Sterbebett, und zack: neue Lebenshaltung. Als Figur fand ich sie anfangs zutiefst sympathisch und einfach mal "anders". Aber das wurde ihr sogleich ausgetrieben und sie passte fortan ins klassische Bild und wenn sie nicht gestorben ist...
(dann atmet sie jetzt achtsam bis an ihr Lebensende.)
Ich hab das Buch schnell weggelesen, es liest sich gut und flüssig. Doch nach der Leseprobe hatte ich mehr Tiefe erwartet. Und was ich einfach nicht lesen will: ein Autor nimmt sich eine spannende Frau und schleift sie glatt.
Wie dem auch sei: Marlene soll zur Gesellschafterin ihrer Firma werden, denn ihre Bilanz ist makellos. Aber wo es hakt, ist das Zwischenmenschliche. In der Personalabteilung häufen sich Beschwerden über ihren Umgang und Führungsstil. Also schickt man sie ins Achtsamkeits-Seminar. Purpose-Washing. Ein bisschen Ein- und Ausatmen, ein bisschen Selbstfindung, dann bitte geläutert zurück an die Spitze. Der Coach selbst steckt in der Krise, braucht sie als Erfolgsstory. Gute Ausgangslage, wirklich. Gerade weil Marlene mit ihrer trockenen Art alles zerlegt, was nach Business-Esoterik riecht. Ihre Pointen sitzen. Ihr Blick ist scharf. Ich mochte das sehr.
Am Anfang funktionierte diese Ausgangslage und Dynamik für mich auch. Die Wortgefechte zwischen Marlene und Alex, sie mit ihrer schonungslosen Logik, er mit seinem Wellness-Geseiere, an das er selbst kaum noch glaubt. In dieser westlichen Kommerzialisierung von Achtsamkeit blitzt eine richtig schöne Satire auf, die aber leider nicht fortgeführt wird. Stattdessen wird viel angerissen: Minimalismus, Death Cleaning, generationsübergreifende Traumata, Feminismus und Transdebatten, Tierbefreiungsaktionen, ein Hausmeister mit Ex-Astrophysiker-Vergangenheit, der plötzlich zur Schlüsselfigur wird. Es ist, als hätte jemand eine Liste spannender Themen gemacht und sie dann alle in knapp 250 Seiten gequetscht.
Was mich aber am meisten enttäuscht hat, war Marlenes "Entwicklung". Diese Frau, die jahrelang kompromisslos durch Unternehmen pflügt, dreht sich innerhalb weniger Tage um hundertachtzig Grad. Ein Waldspaziergang, ein paar Gespräche, ein Sterbebett, und zack: neue Lebenshaltung. Als Figur fand ich sie anfangs zutiefst sympathisch und einfach mal "anders". Aber das wurde ihr sogleich ausgetrieben und sie passte fortan ins klassische Bild und wenn sie nicht gestorben ist...
(dann atmet sie jetzt achtsam bis an ihr Lebensende.)
Ich hab das Buch schnell weggelesen, es liest sich gut und flüssig. Doch nach der Leseprobe hatte ich mehr Tiefe erwartet. Und was ich einfach nicht lesen will: ein Autor nimmt sich eine spannende Frau und schleift sie glatt.