exzellent charakterisierte Figuren

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kraberg Avatar

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Marlene ist ein Erfolgsmensch, Effizienz und berufliches Weiterkommen sind ihr einziger Lebensinhalt. Das Zwischenmenschliche bleibt dabei auf der Strecke. So bringen sie leichte Denkanstöße von Alex Graw, dem Coach ihres von Vorstand aufgedrückten Achtsamkeitsseminars, gleich am ersten Tag aus dem Gleichgewicht. Sie flieht aus der Diskussion, denn an ihren Kern, ihre Gefühle lässt sie niemanden heran. Im Buch spricht der Autor von äußerem und inneren Erfolg. Der äußere, das sind die Zahlen, die Ergebnisse. Das beherrscht Marlene uneingeschränkt. Beim inneren soll man sich fragen, wie geht es mir damit, was macht das mit mir? Aber genau diese Fragen lässt Marlene nicht zu, sie bleiben unbeantwortet. Ganz allmählig und ohne Druck von außen lernt auch Marlene in sich hineinzuhören. Die ländliche Gegend, die Nähe zur Natur sind einfach dafür geschaffen. Marlene, jahrelang kopfgesteuert, fängt hier im Brandenburgischen an aus dem Bauch heraus zu agieren. Manchmal, ohne dass sie lange darüber nachdenkt. Unaufdringliche Helfer auf diesem Weg sind die offenherzige Kerstin und der Hausmeister, der seine krebskranke Mutter pflegt.
Am Anfang des Buchs habe ich sehr viel Ähnlichkeit zwischen Marlenes und meinem Verhalten festgestellt. Bin ich wirklich so schlimm, waren meine Gedanken. Irgendwie hat mich das nachdenklich gestimmt. Aber was Marlene schafft …..
Wie der Autor die unterschiedlichen Charaktere, den stillen Hausmeister, die 14jährige Umweltaktivistin, die von zu Hause weggelaufen ist, und natürlich Marlene, deren einziger Lebensplan beruflicher Erfolg ist, in diesem Buch als sehr unterhaltsame aber auch zum Nachdenken anregende Geschichte verbindet, hat mir sehr gut gefallen. Sie hat mich beim Lesen zur Selbstreflektion gebracht. Von mir gibt’s 4 Lese-Sterne.