Gelungene Neuorientierung im Leben von Erwachsenen mit Sinnkrise

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Das Blumencover im blühenden wilde-Wiese-Stil passt nicht optimal zum Brandenburger Schlossambiente mit gepflegter Yogawiese für zehn hochkarätige Teilnehmer des dortigen Achtsamkeitstrainings. Hauptfigur Marlene Buchholz, 35 Jahre alt, weilt dort in Ermangelung menschlicher Führungsqualitäten für 14 Tage unter Anleitung des berühmten Alex Grow. Ihr kerniger, direkter Dialogstil bekräftigt ihre knallharte Arbeitshaltung sich selbst und ihren Mitarbeitern gegenüber. Doch zu sehr konstruiert und unrealistisch wirkt die zu schnelle Wandlung der Soziopathin Marlene nach Ankunft im Schloss, hervorgerufen durch die Bekanntschaft mit verletztem, gefährlichem Wildschein im angrenzenden dunklen Wald und mit schüchternem Hausmeister, sowie ihre offene Rückbesinnung auf verdrängte Emotionen hinsichtlich von tot geschwiegenen Russen-Vergewaltigungen an der Großmutter auf deren Flucht im 2. Weltkrieg. Neben der bisher gefühlsresistenten, schwierigen Spitzenmanagerin Marlene macht der von Schlafproblemen und Panikattacken gepeinigte Coaching-Guru Alex einen sehr zerbrechlichen Eindruck, sind die Ertragszahlen doch stark rückläufig und seine Paarbeziehungen bisher bedrückend. Thematisiert werden neben Beziehungsproblemen, seiner verlogenen Performance und gewissen Zukunftängsten auch der Kult der Selbstoptimierung und ihre Vermarktung, teilweise psychologisch beleuchtet. Die unterhaltsame Geschichte zeigt schließlich diese zwei menschlich gereiften Hauptfiguren in optimistischem Licht bei offenem Ende. 3,5*