Locker durch die Hose atmen

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alinescot Avatar

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Die Beförderung zur Vorstandsvorsitzenden beim Aviola-Konzern, ist Marlene Buchholz so gut wie sicher.
Die Stelle bekommt sie aber nur, wenn sie vorher ein Achtsamkeitsseminar beim preisgekrönten Seelenflüsterer Alex Grow absolviert.
Der Aviola-Vorstand findet nämlich, Marlene hat in Sachen Menschlichkeit etwas Nachholbedarf.
Aber was, wenn der Seelen-Coach plötzlich selbst in einer Sinnkrise steckt?

Den Anfang fand ich wunderbar. Marlene als knallharte Geschäftsfrau die sich alles nimmt, was sie will und im Grunde, wie ein Geschäftsmann handelt.
Sie zeigt Alex Grow mit ihrem trockenen Humor und flotten Sprüchen, wohin er sich seine achtsamen Kalendersprüche stecken kann. Das hat Spaß gemacht.
Auf gewisse Weise sind beide Hauptfiguren voneinander angewiesen. Sie bekommt ihre Beförderung nicht, wenn sie Alex nicht zufriedenstellt. Und er könnte seine Akademie verlieren, wenn er Marlenes Boss nicht zufriedenstellt.
Beide Figuren machen auf wenigen Seiten eine große Entwicklung durch, aber ehrlich gesagt fand ich die nur bedingt glaubwürdig.
Niemand überdenkt so plötzlich sein ganzes Leben und findet nebenbei auch noch die Erleuchtung. Und das alles nach einem Waldspaziergang (überspitzt gesagt).
Wozu andere Jahre brauchen, um an sich selbst zu arbeiten, schaffen die beiden in wenigen Tagen.
Deswegen fand ich Marlene und wie sie sich letztendlich entscheidet, besonders enttäuschend.

Die Nebenhandlung mit dem Wald und den Aktivisten fand ich spannend und eine willkommene Abwechslung.
Dabei hat mir besonders die Teenagerin Conny gefallen. Die fand ich von allen Figuren am echtesten. Sie weiß was sie will, wofür sie einsteht und kämpft. Von ihr hätte ich am liebsten mehr erfahren und gelesen.

Vom Schreibstil her ist das Buch so, wie man es bereits gewohnt ist von Maxim Leo. Er schreibt flüssig, einnehmend und ruhig. Man wird sogleich in die Geschichte eingesaugt und man merkt gar nicht, wie schnell man voran kommt.
"Schreiend komisch" wie der Beschreibungstext verspricht, konnte ich die Geschichte nicht finden, aber es gibt eine gewisse Situationskomik, die mich zum schmunzeln brachte.
Insgesamt finde ich Maxim Leos neustes Werk solide, teilweise auch echt unterhaltsam, aber auch teilweise unbefriedigend.