Unterhaltsam und kurzweilig
„Einatmen Ausatmen“ von Maxim Leo habe ich an einem Nachmittag ausgelesen. Das Buch mit seinen 250 Seiten hatte ich wirklich rasch durch, es las sich flüssig und war unterhaltsam. Genau das, was ich brauchte nach zuletzt sehr anstrengenden Lektüren. Erzählt wird von der karrieresüchtigen Marlene Buchholz, 35 Jahre alt, schon lange Single. Sie soll nun eine absolute Spitzenposition einnehmen und die Nachfolgerin ihres Chefs werden, soweit so gut. Wäre da nicht die Einschätzung der Kollegen gewesen, die Marlene mangelnde menschliche Führungsqualitäten attestiert. Marlene gilt im Kollegenkreis als empathielos und kaltschnäuzig, man hat regelrecht Angst davor, sie als Vorgesetzte vor die Nase gesetzt zu bekommen. Daher macht ihr Chef ihr zur Bedingung, nur die Beförderung zu bekommen, wenn sie ein Achtsamkeitsseminar absolviert. Obwohl sich innerlich alles sträubt in ihr, begibt sich Marlene gezwungenermaßen in die Akademie von Alex Grow. Ein Mann, der einst als „Seelenguru“ ein riesiges Wellness-Unternehmen in einem alten Schloss in Brandenburg aufgebaut hat, das aber jetzt in den roten Zahlen steckt. Was kaum jemand weiß: Alex hat selbst massive Probleme, kämpft mit Angst und Panik, versucht allerdings nach außen hin, seine Fassade als „Seelenflüsterer“ aufrecht zu erhalten. Die Geschichte liest sich so runter. Garniert mit einigen witzigen Situationen, über die ich herzlich schmunzeln musste, enthält das Buch dann auch einige Szenen und Aussagen, die etwas tiefer gehen. Der Autor streut an manchen Stellen feine Sätze in die ansonsten eher heiter gestrickte Welt ein, was durchaus seine Affinität zu psychologischem Tiefgang aufweist. Ansonsten wird eher oberflächliche „Küchenpsychologie“ betrieben, als es beispielsweise um die Bearbeitung der Kindheit von Marlene geht und ihre Hintergründe für das Verdrängen von Emotionen. Oder aber die Zeichnung von Alex Bolt und die Analyse, was sich eigentlich hinter seiner Fassade so alles verbirgt und wo die Ursachen liegen. Der Schluss war dann für mich auch absehbar. Von daher war es für mich vergnügliche und entspannte Lesestunden. Wer also nach einem Buch sucht, das sich gut lesen lässt, Sprachwitz und Situationskomik beinhaltet, temporeich bis zum Schluss bleibt, Vermarktung von Entspannung und Selbstoptimierungsmöglichkeiten dabei mit einem Lächeln hinterfragt, macht mit diesem Buch nichts falsch. Wer allerdings ein Buch mit Tiefgang erwartet, wird hier eher nicht auf seine Kosten kommen.