Unterhaltsames Ankommen im eigenen Leben

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leseclau Avatar

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Als großer Fan von „Wir werden jung sein“ habe ich auch bei „Einatmen Ausatmen“ ein spannendes Gedankenexperiment erwartet. Doch so weit geht der Autor in diesem Buch nicht. Stattdessen werden Menschen bei der Suche nach ihrer eigenen Identität, nach dem Sinn ihres Lebens begleitet.

Das alles ist untermalt von Abhandlungen zu gesellschaftsrelevanten Themen. Mal geht’s um Führungsstile, mal um die junge Generation und immer wieder um die Erhaltung der unmittelbaren Umwelt. Manches davon ist ein leicht satirischer Blick, der zu lesen Spaß macht, manches wirkt auch ein bisschen zu aufgesetzt.

Das Lesevergnügen entsteht durch eine wunderbar eingängige und leicht zu lesende Sprache und die Charaktere, die jeweils ein bestimmtes Klischee über Menschen und Berufe erfüllen, ohne dabei platt und zu stereotyp zu sein.
Marlene wird zwangsverpflichtet, an einem Achtsamkeitsseminar teilzunehmen, um ihre emotionalen Fähigkeiten zu wecken und so ihre Karriere zu beflügeln. Sie kommt in ein Ressort, in dem Alex die Entwicklung seiner Klienten im Blick hat. Der ist jedoch selbst gefangen in Pflichterfüllung und Zweifeln an seiner Bindungsfähigkeit. Unterhaltsam sind die ersten Kontakte der beiden, treffen doch Vorurteile und Lebenswelten aufeinander. Doch zu schnell löst sich dieser Konflikt auf.

Und das ist auch meine Kritik an dem Buch. Es ist irgendwie alles sehr leicht. Hier ein Anstupser, da ein Gespräch und die Gedanken beginnen sich zu ändern. Dass es nicht zu banal wird, liegt an der Aufrichtigkeit und Liebe, mit der Maxim Leo seine Charaktere behandelt. Auch wenn ich das Buch gern gelesen habe, wirkt es auf mich nicht 100% fertig geschrieben, sondern einige Szenen, besonders die um die Waldrettung, wirken auf mich ein wenig wie Füllmaterial.