Voller Witz und Seitenhiebe
Der Roman ist aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers geschrieben, sodass wir mühelos in die Personen eintauchen können: Da ist Marlene, angehende CEO eines Unternehmens – wäre da nicht ihr emotionales Defizit. Sie ist empathielos und verbreitet ein ‚Klima der Kälte und Angst‘ um sich. Und da ist Alex Grow, Psychologe, Leiter eines Coaching- Unternehmens, der Academy, sowie Autor und Podcaster. Eigentlich erfolgreich, jedoch ausgebrannt und so gut wie insolvent. Er ist nicht wirklich bindungsfähig und hadert mit seiner Situation.
Er soll Marlene fit machen, das Unternehmen zu leiten. Dafür muss sie vom Aufsichtsrat gebilligt werden, also Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz erwerben. Dadurch wäre er saniert.
Marlene hingegen nennt die Academy ein ‚Umerziehungslager‘, sie will sich nicht verstellen, nur zum Schein mitmachen. Ihre Art, den Psychologen-Jargon durch Anhäufen der gängigsten Termini zu karikieren, ist grandios und voller Komik. Hier läuft der Autor zum Satiriker auf und zeigt eine profunde Kenntnis der ‚Lifestyle-Leiden‘ moderner Menschen und die absurden Rituale, denen sie sich unterziehen. Marlene hat dabei herrliche Auftritte, bei denen man laut lachen muss.
Sie wandelt sich tatsächlich – aber nicht durch die Methoden in der Academy, sondern durch ihren Kontakt sowohl mit der Natur als auch durch ihre Bekanntschaft mit Mattissen, dem Hausmeister, der seine Ingenieurskarriere aufgegeben hat. Sie denkt über ihre Kindheit nach und erfährt Stück für Stück mehr über sich. Alex ist durchaus ein fähiger Coach: Seine Familienaufstellung zeigt ihr, wo in ihrer Biographie die Ausgangspunkte für ihre seltsame Persönlichkeit sind. Zwei Begegnungen mit dem Tod rücken sie ein Stück zurecht, zunächst ist sie bei einem sterbenden Wildschwein, an dem sie die Methode ihrer Therapeuten spiegelt: ‚Was ist passiert? Willst du drüber reden?‘ Die Einsamkeit des Tieres rührt sie an, zugleich führt die Inkongruenz von Ansprache und Situation zur Komik.
Später stirbt Mattissens Mutter, sie hilft ihm beim Ausräumen ihres Hauses, wobei einige Überraschungen zutage gefördert werden. Marlene wandelt sich am Ende mehr und völlig anders, als es intendiert war. Ihre Entwicklung verläuft allerdings so schnell, dass die Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt. Und auch Alex gelangt zu einem neuen Bild von sich selbst, ebenso durch die Begegnung mit anderen Menschen, allen voran das Mädchen Connie, ein vernachlässigter Teenager, die Vatergefühle in ihm weckt.
Ein sehr erfrischend geschriebener Roman, abwechselnd komisch, traurig, berührend, absurd, voller überraschender Wendungen. So manche Leseerwartung wird unterlaufen, was dem Buch zugute kommt. Vielleicht nicht die ganz große Literatur, aber tolle Unterhaltung.
Er soll Marlene fit machen, das Unternehmen zu leiten. Dafür muss sie vom Aufsichtsrat gebilligt werden, also Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz erwerben. Dadurch wäre er saniert.
Marlene hingegen nennt die Academy ein ‚Umerziehungslager‘, sie will sich nicht verstellen, nur zum Schein mitmachen. Ihre Art, den Psychologen-Jargon durch Anhäufen der gängigsten Termini zu karikieren, ist grandios und voller Komik. Hier läuft der Autor zum Satiriker auf und zeigt eine profunde Kenntnis der ‚Lifestyle-Leiden‘ moderner Menschen und die absurden Rituale, denen sie sich unterziehen. Marlene hat dabei herrliche Auftritte, bei denen man laut lachen muss.
Sie wandelt sich tatsächlich – aber nicht durch die Methoden in der Academy, sondern durch ihren Kontakt sowohl mit der Natur als auch durch ihre Bekanntschaft mit Mattissen, dem Hausmeister, der seine Ingenieurskarriere aufgegeben hat. Sie denkt über ihre Kindheit nach und erfährt Stück für Stück mehr über sich. Alex ist durchaus ein fähiger Coach: Seine Familienaufstellung zeigt ihr, wo in ihrer Biographie die Ausgangspunkte für ihre seltsame Persönlichkeit sind. Zwei Begegnungen mit dem Tod rücken sie ein Stück zurecht, zunächst ist sie bei einem sterbenden Wildschwein, an dem sie die Methode ihrer Therapeuten spiegelt: ‚Was ist passiert? Willst du drüber reden?‘ Die Einsamkeit des Tieres rührt sie an, zugleich führt die Inkongruenz von Ansprache und Situation zur Komik.
Später stirbt Mattissens Mutter, sie hilft ihm beim Ausräumen ihres Hauses, wobei einige Überraschungen zutage gefördert werden. Marlene wandelt sich am Ende mehr und völlig anders, als es intendiert war. Ihre Entwicklung verläuft allerdings so schnell, dass die Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt. Und auch Alex gelangt zu einem neuen Bild von sich selbst, ebenso durch die Begegnung mit anderen Menschen, allen voran das Mädchen Connie, ein vernachlässigter Teenager, die Vatergefühle in ihm weckt.
Ein sehr erfrischend geschriebener Roman, abwechselnd komisch, traurig, berührend, absurd, voller überraschender Wendungen. So manche Leseerwartung wird unterlaufen, was dem Buch zugute kommt. Vielleicht nicht die ganz große Literatur, aber tolle Unterhaltung.