Zwischen Ernst und Überzeichnung

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Während der Leipziger Buchmesse hatte ich die Gelegenheit, eine Lesung des sympathischen Autors Maxim Leo zu besuchen. Die Veranstaltung hat mir sofort Lust auf das Buch gemacht. Maxim Leo erzählte, dass seine Frau im Coaching-Bereich arbeitet. Insofern gelingt es ihm sehr gut, dieses Thema rüberzubringen.

In ‚Einatmen. Ausatmen.‘ geht es um die Managerin Marlene, die zum CEO ihres Unternehmens befördert werden soll. Sie ist fachlich hochkompetent, im Zwischenmenschlichen hapert es jedoch gewaltig. Daher wird sie dazu verdonnert, zwei Wochen in der „Academy“ bei Star-Coach Alex Grow ein Achtsamkeitstraining zu absolvieren.

Meiner Meinung nach bewegt sich die Handlung des Romans zwischen Komik und Ernsthaftigkeit. Grundsätzlich eine Mischung, die gut funktionieren kann. Leider ist diese Mischung hier aus meiner Sicht nicht ganz ausgewogen. Die Figuren sind teilweise stark überzeichnet, beispielsweise die Protagonistin Marlene. Zwar bekommt man im Laufe der Handlung einen Einblick in ihre Vergangenheit und versteht bestimmte Wesenszüge, doch zu Beginn wird sie übertrieben strukturiert, unempathisch, pedantisch und fast schon autistisch dargestellt. Dafür vollzieht sich ihre Entwicklung dann aber wiederum sehr schnell.
Auch die „Academy“ mit den unterschiedlichen Disziplinen wirkt in der Beschreibung wie eine Persiflage auf moderne Coachingseminare. Nichtsdestotrotz ist der Therapeut Alex Grow eine ernste Figur, die an sich selbst zweifelt, mit Panikattacken zu kämpfen hat und ihre eigenen Ratschläge nicht befolgen kann.

Zudem werden relativ viele Themen in die Handlung gepackt, die auf den gut 250 Seiten aber kaum vertieft werden. Sei es die Geschichte der emotional vernachlässigten Connie, das transgenerationale Trauma, mit dem Marlene konfrontiert wird, der Umweltaktivismus oder die Bindungsunfähigkeit von Alex. All diese Themen werden nur angerissen, und das in einem Spannungsfeld zwischen alberner Überzeichnung und ernsthafter Auseinandersetzung. Hier hat für mich die Balance nicht gestimmt.

Fazit. Trotz der genannten Kritik habe ich das Buch gerne gelesen. Der Autor kann toll schreiben und hat es mir leicht gemacht, der Handlung zu folgen. Auch die Figuren habe ich gemocht. Nichtsdestotrotz wären etwas mehr Themenfokussierung und eine ausgewogenere Gesamtstimmung m.M.n. für das Buch besser gewesen. Meine Wertung: 3,5 Sterne.