Don't judge a Book by it's Cover

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wolfram Avatar

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Selten habe ich so ein unpassendes, furchtbares Buchcover gesehen, einen so lächerlichen Titel, der mich absolut abgeschreckt hätte, hätte ich nicht die Leseprobe gelesen.
Und so hätte ich eine wahre Perle der Literatur verpasst. So, wie auch die Protagonistin Tibb Ingleby eine kleine Perle ist. Mit einem Gerechtigkeitssinn und einem gesunden Menschenverstand, der sie regelmäßig in Schwierigkeiten und höchste Lebensgefahr bringt.
Die Zitate um den Klappentext herum werben für einen eher humorvollen Roman (subversiver Witz) - und auch hier haben wir es mit einer gefährlichen Irreführung zu tun! Denn wer eine lustige Mittelaltergeschichte erwartet, wird das Buch schockiert in die Ecke pfeffern:

Über weite Teile hinweg braucht man starke Nerven, so drastisch, brutal und ungerecht geht es hier zu. Die gesamte mittelalterliche Menschheit zittert vor Angst, als nächstes Opfer einer Willkür zu werden. Wer in halbwegs mächtiger Position ist, oder zumindest noch Platz zum Treten nach unten hat, denunziert, klagt an, vergewaltigt, verkauft Frauen und Kinder, kastriert öffentlich und stellt an den Pranger. Nur, um die eigene Schuld zu kaschieren.
Lieber als erster schießen, bevor selbst auf einen gezielt wird.

Tibb hat den denkbar schlechtesten Start ins Leben:
Die Mutter, dem Alkohol verfallen, prostituiert sich, um ihrer Tochter irgendwann "ein Dach" über dem Kopf zu ermöglichen. Tibb ist traumatisiert von sexuellem Missbrauch in der Kindheit, auffällig durch ihren Albinismus (jegliche Art der äußerlichen Auffälligkeit ist schlecht, siehe oben). Als die Mutter bei der Geburt stirbt, versucht sie noch, das Neugeborene am Leben zu erhalten, was natürlich scheitert und ihr fortan Selbstvorwürfe beschert.
Tibb findet Ivo, einen anderen Außenseiter, der seine Homosexualität verleugnet und versteckt (siehe oben), doch zusammen schaffen sie es, ein paar Jahre zu überleben.

Als Leser schwankt man zwischen Ekel und Faszination, Verzweiflung und unerträglicher Spannung. Rosanna Pike schafft es mit ihrem Debütroman, bis zur letzten Seite, den Leser mit weit aufgerissenen Augen die Seiten verschlingen zu lassen und auf ein - noch so unwahrscheinliches - gutes Ende zu hoffen.