Mit den eigenen Waffen geschlagen

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Tibb Ingleby lebt mit ihrer psychisch labilen Mutter als Landstreicherin um 1500 in England. So erlebt sie nicht viel Gutes, schon gar nicht vonseiten der Gesellschaft. Als ihre Mutter verstirbt, hat sie mit 14 Jahren niemanden mehr, bis sie Ivo trifft, der so anders ist als andere Männer. Doch auch er verlässt sie. Danach ist sie wieder allein, bis sie auf eine fahrende Schaustellertruppe trifft, die sie aufnimmt.

Es ist unfassbar traurig, was dieses Mädchen – gerade auch von Männern - erleiden muss. Es ist einfach immer wieder furchtbar, was Menschen anderen antun und wie formbar die Psyche eines Kindes ist, sowohl positiv wie negativ. Kindesmissbrauch ist zu allen Zeiten schrecklich und hinterlässt tiefe Spuren und Wunden.

Aber es ist wunderbar zu lesen, wie Tibb trotz allem ihren Mut und ihre gute Seele nicht verliert. Immer behält sie ihren Gerechtigkeitssinn als Kompass und erfährt so von anderen, die genauso denken, Unterstützung, Liebe, Zusammenhalt und ein Zuhause.

Der Schreibstil ist sehr einfühlsam und trotz auktorialer Perspektive ganz aus der Sicht von Tibb geschrieben, die mit ihrem teils naiven Weltbild durch das Leben geht.

Tibb hat von ihrer Mutter das Überleben gelernt und so auch das Flunkern und Schwindeln. Dies macht sie sich nun zunutze. Wie wird hier nicht verraten, um nicht zu spoilern. Aber das Coverbild passt ganz genau dazu, wie das Heilige und das Profane zusammenkommen.

Ein ganz besonderer Roman, mit einer Geschichte aus der Geschichte und doch mit Gegenwartsbezug und einer außergewöhnlichen, sympathischen Protagonistin!

Volle Leseempfehlung!