Mittelalter in modern

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dina2803 Avatar

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„Eine kleine Schwindelei“ ist ein wilder, eigenwilliger und überraschend berührender Roman, der sich jeder historischen Erwartung entzieht. Rosanna Pike erzählt die Geschichte der jungen Tibb Ingleby im Jahr 1500 – aber nicht in der üblichen, glatten Mittelalter-Sprache, sondern in einer modernen, frechen, manchmal derben Stimme.

Tibb ist der Kern des Romans: eine starke, clevere, verletzliche und absolut liebenswerte Protagonistin, die sich nach dem Tod ihrer Mutter und Schwester durchs Leben schlagen muss. Sie flucht, sie kämpft, sie stolpert und genau diese Mischung macht sie so besonders.

Der Roman zeigt eine Welt voller Armut, Gewalt, Außenseiter und harter Lebensbedingungen, aber auch Freundschaft, Zusammenhalt und Resilienz. Die Nebenfiguren – Schausteller, Landstreicher, Verlorene – bilden ein soziales Netz, das Tibb zum ersten Mal das Gefühl von Zugehörigkeit gibt. Diese Wärme steht im starken Kontrast zur Brutalität der Zeit und sorgt für eine einzigartige Story.

Sprachlich ist der Roman ungewöhnlich: poetisch und vulgär, kindlich und brutal, modern und historisch zugleich.
Das Ende war für mich jedoch nicht ganz rund.

Fazit:
Eine kleine Schwindelei ist kein klassischer historischer Roman, sondern ein freches, warmes, manchmal schmerzhaftes Abenteuer, getragen von einer Stimme, die man nicht vergisst. Wer ungewöhnliche Erzählweisen liebt und sich auf eine moderne Interpretation des Mittelalters einlassen kann, bekommt hier eine Geschichte, die lange nachhallt.