Tricken zum Überleben

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naddarat Avatar

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Bereits der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Ich hatte eine Geschichte im mittelalterlichen Setting erwartet, die ich so noch nie gelesen habe, gepaart mit feministischen Zügen.

Es geht um Tibb Ingleby, die ihre Familie verliert und als Vagabundin schon früh auf sich alleine gestellt ist. Auf ihrer Reise trifft sie auf viele unterschiedliche Personen wie Schausteller, andere Landstreicher oder Adelige. Nicht alle sind ihr gegenüber wohlwollend gestimmt. Man begleitet Tibb auf ihrer Reise und erlebt sie sowohl in ihren naiven, kindlichen Momenten, als auch in ihren Reifen und Frechen. Um zu überleben, entwickelt sie ihre ganz eigene Strategie und trickst sich durch. Ihre Mutter hatte ihr den Traum mit auf den Weg gegeben, irgendwann ein Dach über dem Kopf zu finden und anzukommen. Tibb macht sich also auf die Suche nach ihrem ganz persönlichen Dach.

In den Schreibstil musste ich zunächst erst reinfinden. Durch viele Bindestrich-Wortneuschöpfungen und den gedanklichen Gesprächen Tibbs mit ihrer verstorbenen Mutter war das Buch teils etwas anstrengend zu lesen. Andererseits fand ich diese Schreibart aber sehr passend zum historischen England und Tibbs Alter. Dadurch wirkten ihre Gedanken so sprunghaft, derb, emanzipiert und dann doch wieder gutgläubig, wie man das von einem Kind, das im 16. Jahrhundert schon früh auf sich alleine gestellt ist, erwarten würde. Nach kurzer Zeit habe ich mich auch an den Schreibstil gewöhnt.

Tibb auf ihrer persönlichen Reise zu begleiten und ihre Entwicklung zu sehen, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Auch die vielen Nebencharaktere waren interessant und ich war froh, dass Tibb in ihrem harten Leben doch manche Menschen findet, auf die sie sich verlassen kann. Ihre Tricksereien sind wirklich genial und super spannend. An manchen Stellen war das Buch etwas langatmig, jedoch konnte man dadurch noch tiefer in die Welt eintauchen.

Das zunächst sehr modern wirkende Cover passt für mich nach dem Lesen der Geschichte sehr gut zum Inhalt. Es greift ohne viel zu spoilern super die Aspekte der Geschichte auf und verbindet die doch sehr modernen Züge, die Tibb an den Tag legt, mit altertümlichen Aspekten.

Meine Erwartungen an das Buch wurden übertroffen. Mir hat es trotz der vielen harten Themen Spaß gemacht, Tibb und ihre Freunde zu begleiten. Rosanna Pike hat für mich das Tudor-England sehr glaubhaft rübergebracht und ich konnte in die Welt eintauchen. Die gesellschaftskritischen, religionskritischen und geschlechtskritischen Aspekte der Geschichte wurden gut rübergebracht und es wurde gezeigt, dass es hier nicht immer nur ein Schwarz-Weiß-Denken gibt.