Überraschende Entdeckung

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bobbember Avatar

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„Eine kleine Schwindelei“ von Rosanna Pike hat mich wirklich überrascht. Wenn ich ehrlich bin, klang der Klappentext für mich zunächst gar nicht besonders interessant. Dazu kommt, dass ich normalerweise nicht unbedingt gerne Bücher lese, die in der Vergangenheit spielen. Entsprechend waren meine Erwartungen eher gering – und vielleicht hat mich das Buch gerade deshalb so positiv überrascht.

Im Mittelpunkt steht Tibb Ingleby, eine junge Vagabundin im spätmittelalterlichen England. Sie besitzt weder ein Zuhause noch eine Familie, auf die sie sich verlassen kann. Stattdessen lebt sie nach den Regeln, die ihre Mutter ihr mitgegeben hat, schlägt sich mit kleinen Tricks durchs Leben und bleibt Fremden gegenüber grundsätzlich misstrauisch. Auf ihrer Reise begegnet sie dabei den unterschiedlichsten Außenseitern und Menschen, die selbst keinen richtigen Platz in der Welt gefunden haben. Nach und nach erkennt Tibb, dass ein Zuhause mehr sein kann als nur ein Dach über dem Kopf – und dass sie vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben nicht mehr ganz auf sich allein gestellt ist. Schließlich wagt sie sich an ihre bisher größte Schwindelei.

Was mich dabei am meisten überrascht hat, war tatsächlich der Schreibstil. Ich kann gar nicht genau erklären, warum, aber irgendetwas an der Art, wie Rosanna Pike diese Geschichte erzählt, hat mich einfach gepackt. Obwohl das Setting eigentlich nicht unbedingt meinem Beuteschema entspricht, wollte ich immer weiterlesen und wissen, wie es mit Tibb weitergeht.

Besonders Tibb als Hauptfigur hat mir gefallen. Sie ist gleichzeitig naiv und erstaunlich clever, mutig und trotzdem vorsichtig – vor allem, wenn es um andere Menschen geht. Die Begegnungen mit den verschiedenen Außenseitern geben der Geschichte zusätzlich viel Charme und sorgen dafür, dass hinter der zunächst etwas ungewöhnlich klingenden Handlung auch eine warmherzige Geschichte über Zusammenhalt, Vertrauen und die Suche nach einem Zuhause steckt.

„Eine kleine Schwindelei“ war für mich definitiv ein Buch, bei dem ich froh bin, mich darauf eingelassen zu haben. Es hat mich entgegen meiner anfänglichen Erwartungen wirklich gut unterhalten und vor allem durch seine besondere Atmosphäre und den Schreibstil überzeugt.

4 Sterne – eine unerwartete, aber sehr schöne Überraschung.