Was für eine schöne Überraschung!

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
zeilen_echo Avatar

Von

Ich bin durch „Eine kleine Schwindelei“ förmlich geflogen. Die sehr kurzen Kapitel haben dabei definitiv geholfen, denn aus „nur noch eins“ wurden bei mir regelmäßig fünf oder sechs. Aber auch Rosanna Pikes Schreibstil hat es mir unglaublich leicht gemacht. Er ist frech, direkt, manchmal herrlich trocken und hat einen ganz eigenen Humor, den ich sehr mochte.

Dabei hatte ich vor dem Lesen tatsächlich etwas ganz anderes erwartet. Bei einer Geschichte über eine junge Landstreicherin im England der Tudorzeit hatte ich mich innerlich schon auf eher schwere und düstere Kost eingestellt. Bekommen habe ich natürlich auch ernste und traurige Momente, aber vor allem ganz viel Leichtigkeit, Freundschaft, Liebe und Hoffnung. Und das alles, ohne kitschig zu werden.

Mein persönliches Highlight war dabei ganz klar Tibb. Ich mochte ihre einzigartige Art vom ersten Moment an. Diese Naivität, gepaart mit ihrer absolut unerschütterlichen Meinung zu eigentlich allem und jedem, fand ich großartig. Mehr als einmal musste ich bei ihr an die Figur der Sally Diamond denken, die ich ebenfalls sehr ins Herz geschlossen habe. Tibb sieht die Welt einfach ein bisschen anders und genau das macht sie für mich so besonders.

Überhaupt sind mir die Figuren im Laufe der Geschichte unglaublich ans Herz gewachsen. Jede*r bringt die eigenen Eigenheiten und kleinen Macken mit und gerade dadurch fühlte sich diese ungewöhnliche Gemeinschaft für mich so lebendig an. Ich wollte irgendwann eigentlich nur noch Zeit mit ihnen verbringen und gar nicht mehr weg.

Besonders schön fand ich, was Rosanna Pike aus der Geschichte über Freundschaft und Verbundenheit macht. Es geht darum, was ein Zuhause überhaupt bedeutet und wie unglaublich wertvoll Menschen sein können, bei denen man sich aufgehoben fühlt. Geld und Besitz erscheinen dagegen plötzlich ziemlich nebensächlich. Obwohl die Geschichte vor mehreren Jahrhunderten spielt, fand ich diese Gedanken erstaunlich aktuell. Im Grunde hätte vieles davon genauso gut heute passieren können.

„Eine kleine Schwindelei“ war für mich deshalb ein echtes Wohlfühlbuch, obwohl ich genau das überhaupt nicht erwartet hatte. Warmherzig, witzig, manchmal traurig und voller wunderbar eigenwilliger Charaktere. Wer Geschichten über Außenseiter, ungewöhnliche Freundschaften und das Finden eines eigenen Platzes in der Welt mag, sollte Tibb unbedingt kennenlernen. Ich wäre jedenfalls sehr gerne noch ein bisschen länger bei ihr und ihrer besonderen Truppe geblieben.