Zwischen rauer Realität und ungewöhnlicher Erzählstimme

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jordis Avatar

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„Eine kleine Schwindelei“ hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Perspektive neugierig gemacht. Im Mittelpunkt steht Tibb, die als junge Landstreicherin im England des 16. Jahrhunderts ihren eigenen Weg finden muss und dabei eine Welt erlebt, in der Sicherheit und ein Zuhause alles andere als selbstverständlich sind.

Besonders mochte ich Tibbs Blick auf ihre Umgebung. Sie hinterfragt vieles, was für andere selbstverständlich scheint, und dadurch greift das Buch Themen wie die Stellung von Frauen, gesellschaftliche Ausgrenzung und die Rolle der Kirche auf, ohne dabei belehrend zu wirken.

Auch sprachlich ist der Roman definitiv besonders. Tibb erzählt direkt, teilweise ziemlich derb, dann wieder humorvoll oder überraschend bildhaft. Daran musste ich mich kurz gewöhnen, aber genau diese eigene Stimme macht einen großen Teil des Buches aus.

Schön fand ich außerdem, welche Bedeutung Gemeinschaft bekommt. Tibb begegnet Menschen, die ebenfalls nicht wirklich in die damaligen gesellschaftlichen Vorstellungen passen, und gerade diese Verbindungen bilden einen starken Gegenpol zu den härteren Seiten ihrer Geschichte.

Ganz überzeugt hat mich trotzdem nicht alles. Manche Entwicklungen wirkten etwas unglaubwürdig und Tibbs Einstellungen teilweise erstaunlich modern für die damalige Zeit. Insgesamt überwiegt für mich aber das Positive. Insgesamst ein eigenwilliger historischer Roman mit einer besonderen Hauptfigur und Themen, die auch heute noch relevant sind. 4 von 5 Sternen.