Berührende Geschichte über Einsamkeit und Mitmenschlichkeit
Tiefgründiges Wohlfühlbuch ohne Kitsch - eine Maus verändert das Leben einer alten trauernden Witwe
Nach über 60 Jahren in Australien wieder zurück in der alten Heimat, einem kleinen Ort bei Oxford, wo sie geboren und aufgewachsen ist: Helen Cartwright, 80 Jahre alt. Zwar hat sie sich dort ein kleines Haus gekauft, aber sie hat mit dem Leben abgeschlossen, denn ihr Mann und Sohn David sind tot ‘unendlich weit außerhalb ihrer Reichweite’ (9) - und auch sie sieht dem baldigen Tod entgegen.
‘Alle, die sie jemals geliebt hat oder lieben wollte, sind fort und hinter ihrem Schleier aus Angst wünscht sie sich nichts sehnlicher, als dort zu sein, wo sie sind.’ (16)
Sie führt ein eintöniges Leben, das detailliert und mit Wiederholungen im Buch geschildert wird, so dass es wohl nicht für Action liebende Leser geeignet ist. Aber die Erzählweise verdeutlicht sehr gut, wie ereignisarm, eintönig und zutiefst einsam ihr Leben ist. Sie hat weder Verwandte noch Freunde und will mit niemandem sprechen, um keine schmerzhaften Erinnerungen aufzuwühlen. Sie hat vor ihrem Umzug sogar alles verbrannt: Fotoalben, Notizbücher - ‘die Trümmer der Erinnerung’ (19).
Ihre einzige Abwechslung besteht darin, Fernsehen zu gucken und heimlich den Sperrmüll anderer Leute zu durchsuchen. Und DAS wird ihr Leben verändern: zwar findet sie in einem aussortierten Aquarium des Nachbarn außer leeren Schachteln eine Plastikfigur, die gleiche, die sie einst ihrem Sohn David geschenkt hatte: ‘Der Plastiktaucher hat einen Bodensatz in ihrer Seele aufgewirbelt’ (35). Aber es gibt da noch etwas anderes … mit einem Geräusch in der Nacht fängt es an; später entdeckt sie im untersten Karton im Aquarium winzige Augen und ein rosa Näschen - eine Maus.
Zwar erschreckt sie sich nicht, aber dennoch will sie kein Nagetier im Haus dulden. Und schon beginnt die unmerkliche Veränderung: beim Kauf von Fallen unterhält sie sich mit dem sympathischen Ladenbesitzer Colin und in der Bücherei mit der Bibkiothekarin und ihrem Sohn. Sie macht sich ständig - allerdings widersprüchliche - Gedanken um die Maus: einerseits will sie diese loswerden, andererseits macht sie ihr eine neue Schachtel zurecht und gibt ihr Haferflocken. Kurz und gut: sie denkt intensiv an das Wohlergehen der Maus, die vor ihr keine Angst hat, wahrscheinlich, weil sie mal ein Haustier war.
Plötzlich wird ihr klar: Sie darf nicht mehr sterben, so lange die Maus bei ihr ist, denn sonst wäre diese ‘verloren’. Sie nennt ihn - denn es ist ein Mäuserich - Merlin, weil er ‘wie durch Zauberhand in ihrem Leben aufgetaucht’ ist und beginnt mit ihm zu sprechen wie mit einem Menschen. Als Merlin dann noch auf ihre Hand klettert, ist es endgültig um sie geschehen. Zudem hat sie durch Merlin wieder Teil am Leben, hat soziale Kontakte zu wohlwollenden Menschen gefunden.
Und dann gibt es eine unerwartete Wendung, spannende Action sogar, die hier aber genau so wenig verraten werden soll wie das, was die Leser überraschenderweise über Helen Cartwright erfahren.
Ich habe dieses Buch kaum aus der Hand legen können und es als unglaublich tröstlich und warmherzig empfunden, weil es um Helen herum so viele empathische Menschen gibt, die ihr wieder - trotz ihrer inzwischen 83 Jahre - zu einer Zukunftsperspektive verhelfen, wie etwa die Vorstellung, mit Colin und anderen im Garten zu sitzen und Tee zu trinken, die einfachen Dinge des Lebens und das liebevolle Miteinander der Menschen zu genießen.
‘Merlin, du bringst das Beste in den Menschen zum Vorschein.’ (214)
Ganz nebenbei muss noch erwähnt werden, dass sich die Sprache des Autors auf gehobenem Niveau bewegt, zwar einfach in der Struktur ist, aber viele Situationen mit passenden sprachlichen Bildern anreichert wie z.B. ‘Ihre Küche füllt sich mit Wörtern’ (Radio - 50) oder ‘Über den zahlreichen riesigen Pfützen liegen Flickenteppiche aus herabgefallenen Blättern ausgebreitet’ (135).
Fazit
Wer also ein Buch lesen möchte, das eine warmherzige positive Stimmung verbreitet ohne kitschig zu sein, dem kann ich dieses sehr empfehlen.
Nach über 60 Jahren in Australien wieder zurück in der alten Heimat, einem kleinen Ort bei Oxford, wo sie geboren und aufgewachsen ist: Helen Cartwright, 80 Jahre alt. Zwar hat sie sich dort ein kleines Haus gekauft, aber sie hat mit dem Leben abgeschlossen, denn ihr Mann und Sohn David sind tot ‘unendlich weit außerhalb ihrer Reichweite’ (9) - und auch sie sieht dem baldigen Tod entgegen.
‘Alle, die sie jemals geliebt hat oder lieben wollte, sind fort und hinter ihrem Schleier aus Angst wünscht sie sich nichts sehnlicher, als dort zu sein, wo sie sind.’ (16)
Sie führt ein eintöniges Leben, das detailliert und mit Wiederholungen im Buch geschildert wird, so dass es wohl nicht für Action liebende Leser geeignet ist. Aber die Erzählweise verdeutlicht sehr gut, wie ereignisarm, eintönig und zutiefst einsam ihr Leben ist. Sie hat weder Verwandte noch Freunde und will mit niemandem sprechen, um keine schmerzhaften Erinnerungen aufzuwühlen. Sie hat vor ihrem Umzug sogar alles verbrannt: Fotoalben, Notizbücher - ‘die Trümmer der Erinnerung’ (19).
Ihre einzige Abwechslung besteht darin, Fernsehen zu gucken und heimlich den Sperrmüll anderer Leute zu durchsuchen. Und DAS wird ihr Leben verändern: zwar findet sie in einem aussortierten Aquarium des Nachbarn außer leeren Schachteln eine Plastikfigur, die gleiche, die sie einst ihrem Sohn David geschenkt hatte: ‘Der Plastiktaucher hat einen Bodensatz in ihrer Seele aufgewirbelt’ (35). Aber es gibt da noch etwas anderes … mit einem Geräusch in der Nacht fängt es an; später entdeckt sie im untersten Karton im Aquarium winzige Augen und ein rosa Näschen - eine Maus.
Zwar erschreckt sie sich nicht, aber dennoch will sie kein Nagetier im Haus dulden. Und schon beginnt die unmerkliche Veränderung: beim Kauf von Fallen unterhält sie sich mit dem sympathischen Ladenbesitzer Colin und in der Bücherei mit der Bibkiothekarin und ihrem Sohn. Sie macht sich ständig - allerdings widersprüchliche - Gedanken um die Maus: einerseits will sie diese loswerden, andererseits macht sie ihr eine neue Schachtel zurecht und gibt ihr Haferflocken. Kurz und gut: sie denkt intensiv an das Wohlergehen der Maus, die vor ihr keine Angst hat, wahrscheinlich, weil sie mal ein Haustier war.
Plötzlich wird ihr klar: Sie darf nicht mehr sterben, so lange die Maus bei ihr ist, denn sonst wäre diese ‘verloren’. Sie nennt ihn - denn es ist ein Mäuserich - Merlin, weil er ‘wie durch Zauberhand in ihrem Leben aufgetaucht’ ist und beginnt mit ihm zu sprechen wie mit einem Menschen. Als Merlin dann noch auf ihre Hand klettert, ist es endgültig um sie geschehen. Zudem hat sie durch Merlin wieder Teil am Leben, hat soziale Kontakte zu wohlwollenden Menschen gefunden.
Und dann gibt es eine unerwartete Wendung, spannende Action sogar, die hier aber genau so wenig verraten werden soll wie das, was die Leser überraschenderweise über Helen Cartwright erfahren.
Ich habe dieses Buch kaum aus der Hand legen können und es als unglaublich tröstlich und warmherzig empfunden, weil es um Helen herum so viele empathische Menschen gibt, die ihr wieder - trotz ihrer inzwischen 83 Jahre - zu einer Zukunftsperspektive verhelfen, wie etwa die Vorstellung, mit Colin und anderen im Garten zu sitzen und Tee zu trinken, die einfachen Dinge des Lebens und das liebevolle Miteinander der Menschen zu genießen.
‘Merlin, du bringst das Beste in den Menschen zum Vorschein.’ (214)
Ganz nebenbei muss noch erwähnt werden, dass sich die Sprache des Autors auf gehobenem Niveau bewegt, zwar einfach in der Struktur ist, aber viele Situationen mit passenden sprachlichen Bildern anreichert wie z.B. ‘Ihre Küche füllt sich mit Wörtern’ (Radio - 50) oder ‘Über den zahlreichen riesigen Pfützen liegen Flickenteppiche aus herabgefallenen Blättern ausgebreitet’ (135).
Fazit
Wer also ein Buch lesen möchte, das eine warmherzige positive Stimmung verbreitet ohne kitschig zu sein, dem kann ich dieses sehr empfehlen.