Ein schönes Buch

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rebekka Avatar

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Alters-Einsamkeit ist in hochzivilisierten Gesellschaften weit verbreitet, aber sie wird in der Belletristik nur selten thematisiert. Um so verdienstvoller, wenn ein Autor sich dieser Frage auf so leise, eindringliche und zutiefst menschliche Weise annimmt wie Simon Van Booy mit dem Buch „Eine Maus namens Merlin“.

Alle Menschen, die die 83jährige Helen Cartwright geliebt hat, sind gestorben, und so hat sie sich damit abgefunden, dass ihr Leben eigentlich vorbei ist. Jedenfalls so lange, bis unverhofft ein kleiner Mäuserich in ihr Haus kommt. Und obwohl sie anfangs alles versucht, ihn wieder loszuwerden, entwickelt sich zwischen den beiden nach und nach eine so innige Verbindung, dass die alte Frau Mut findet zu einem Neuanfang.

Van Booy beschreibt die große Einsamkeit Helens, die beginnende Zuneigung zu dem kleinen Mäuserich und das, was dadurch ausgelöst wird, mit bildhaften, zarten und poetischen Worten. Dabei wird er nie sentimental oder kitschig. Zwar zieht sich der Mittelteil des Buches etwas in die Länge, aber es braucht eben seine Zeit, bis man nach großem Verlust bereit ist, eine zweite Chance zu ergreifen. Dafür wird es im Schlussteil ziemlich turbulent mit überraschenden Erkenntnissen über Helens Vergangenheit. Ein schönes Buch!