Eine Chance gegen die Einsamkeit

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gormflath Avatar

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Sechzig Jahre lang lebte Helen Cartwright in Australien und kehrt nun mit 83 Jahren in ihren Geburtsort Nähe Oxford zurück. In ihrem kleinen Haus mit der senfgelben Tür führt sie ein einsames und zurückgezogenes Leben, aber von ihrer Zukunft erwartet sie auch nichts mehr, denn jeder Tag ist nur eine Wiederholung des vorherigen Tages.
Doch dann geschieht Unerwartetes in Helens Leben: Im Sperrmüll eines Nachbarn findet sie ein altes Aquarium mit diversen kleinen Kartons im Inneren. Das Durchstöbern soll ein wenig Abwechslung von ihrer Routine bringen, doch im letzten Karton taucht eine Maus auf. Zunächst versucht Helen, die Maus loszuwerden. Diese Versuche führen sie in den Tierhandel, in die Stadtbibliothek und in den örtlichen Eisenwarenladen.
Währenddessen hat sie die gutmütige Maus in ihre Küchenspüle gesetzt, ihr frisches Wasser in einem Flaschendeckel gereicht und diverse Leckereien wie Erdbeeren für die Maus besorgt. Helen ist zwar immer noch entschlossen, die Maus loszuwerden, aber verhungern oder verdursten soll das kleine Wesen nicht.
Helen tauft die Maus auf den Namen Merlin und bald ist es um sie geschehen. Sie redet mit ihrem neuen Mitbewohner und begibt sich dabei ohne es zu wollen auf eine Reise zu sich selbst. Sie tritt nicht nur mit ihren Nachbarn wieder in Kontakt, sondern knüpft sogar unversehens neue Freundschaften, als Merlin plötzlich unter Atemproblemen leidet.
Durch die außergewöhnliche Freundschaft zu Merlin hat Helen unbewusst einen Neuanfang gestartet und kann wieder Menschen in ihr Leben lassen: „Es ist ein bisschen so, als würde der Fernseher laufen, nur, dass das hier echte Menschen sind und dass sich das Drama in meinem eigenen Wohnzimmer abspielt.“

Die Protagonisten des gefühlvollen Romans sind äußerst liebenswert, allen voran natürlich Helen. In kurzen Kapiteln wird in Rückblenden aus Helens Vergangenheit erzählt, und so erfährt man nach und nach, warum Helen alleine in ihren Geburtsort zurückgekehrt ist, um auf ihr Lebensende zu warten. Anekdoten aus Helens Leben mit ihrem Mann und ihrem Sohn, von ihrem Berufsleben als Herzchirurgin wird ebenso eindringlich erzählt wie von negativen Ereignissen. Aber ganz egal, wie einem das Leben mitspielt, es bietet immer eine zweite Chance und diese sollte man unbedingt nutzen.
Der stille Roman hat mich beeindruckt und sehr berührt, von daher kann ich ihn uneingeschränkt wirklich jedem empfehlen.