Eine kleine Maus und der große Lebenssinn

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bella0070 Avatar

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In „Eine Maus namens Merlin" begegnen wir der 83-jährigen Helen, die nach 60 Jahren in Australien in ihre alte englische Heimat zurückgekehrt ist. Ihr Leben scheint bereits in einen ruhigen Schlussakt übergegangen zu sein. Sie wartet auf den Tod, hat mit der Welt abgeschlossen und pflegt kaum noch Kontakt zur Außenwelt. Nur häppchenweise erfahren wir, was ihr widerfahren ist. Trauer und das Leben mit Verlust ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Helen lebt in einer erstarrenden Routine, bis die kleine Maus Merlin in ihr Leben tritt. Was zunächst auf Ablehnung stößt, verwandelt sich schnell in Fürsorge und Trost und stößt Helens Sichtweise auf das Leben neu an.

Simon Van Booys Schreibstil ist zunächst nicht fesselnd, entfaltet aber umso mehr Wirkung, je tiefer ich in Helens Welt eintauche . Die einfühlsame Sprache ermöglicht es, die Einsamkeit und den inneren Konflikt der Protagonistin unmittelbar nachzuvollziehen. Sehr erfrischen ist auch die Situationskomik, die immer wieder ins Spiel kommt und mich trotz der eher melancholischen Grundstimmung zum Lachen gebracht hat. Durch Merlins Anwesenheit entdeckt Helen die Freude an den kleinen Dingen des Lebens wieder. Der Roman entwickelt sich so zu einer rührenden Achtsamkeitsübung, die einlädt, innezuhalten und die Zwischentöne des Lebens zu genießen.

Besonders nachhaltig wirkt die Frage nach dem Lebenssinn, die Helens Rückblick aufwirft: Was bleibt am Ende, wenn alle geliebten Menschen gegangen sind? Diese Überlegungen verleihen der Geschichte eine melancholische Schwere, die bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

„Eine Maus namens Merlin" ist kein Buch für actionreiche Unterhaltung, sondern ein stiller, nachdenklicher Roman über das Altwerden, die damit einhergehende Einsamkeit und die Schönheit im Kleinen. Van Booy schafft einen Raum, in dem man über die eigene Lebensrealität reflektieren kann.

FAZIT: Wer offen ist für leise Töne und tiefgründige Geschichten, wird von diesem zärtlichen, melancholischen Roman nachhaltig berührt sein.