Eine Maus gegen die Einsamkeit
Einsamkeit im Alter - kein schönes, sondern ein sehr ernstes und gesellschaftsrelevantes Thema. Und obwohl der Roman „Eine Maus namens Merlin“ von Simon van Booy genau davon handelt, ist es dennoch nicht in erster Linie ein Buch, das traurig macht, sondern eines, das einen mitfühlen lässt, das einen mitfiebern, aber auch mitschmunzeln lässt.
Eine alte Frau, die ihre Angehörigen verloren hat, kehrt in die Stadt ihrer Kindheit und Jugend zurück. Sie wartet dort auf den Tod: Nicht, dass sie ihn aktiv herbeiführen würde. Sie wartet einfach, sie hat ihre Routinen und sie ist vor allem eines: gewollt isoliert und einsam. Aber nur solange, bis sie aus Versehen eine Maus in ihr Leben holt, deren Existenz sie nun zwingt, mit anderen Leuten Kontakt aufzunehmen, z.B. um eine Mausefalle zu erwerben.
Auch wenn das Thema (alte Frau, Einsamkeit, Verlust aller Angehörigen etc.) durchaus Potenzial für Klischees hätte, schafft es der Autor, diese inhaltlich und sprachlich zu umgehen. Der Text ist absolut gut geschrieben und liest sich schnell und flüssig.
Da es sich in weiten Teilen um ein Ein-Mann-Stück bzw. ein Ein-Frau-Stück handelt, ist der Leser mit den wenigen Handlungen der alten Frau und ihren Gedanken, Erinnerungen bzw. Beobachtungen meist alleine. Oft wird zeitdeckend geschrieben, sehr langsam und genau erzählt, oft Gleiches immer wieder erzählt (z.B. die Routinen). Weitere Protagonisten kommen erst im Laufe der Geschichte dazu, nehmen aber auch nicht so viel Raum ein und sind aufgrund der meist personalen Erzählperspektive quasi durch den Blick der älteren Frau gefiltert. Trotzdem ist es an keiner Stelle langweilig.
Die Figur der alten Frau ist sehr realistisch gezeichnet, die Charaktereigenschaften sind stimmig, der Erzählstil passt dazu. Zwar hat man an einigen Stellen Mitleid mit ihr, doch an anderen Stellen muss man durchaus auch mit ihr lächeln - aber nie über sie, was das Buch liebenswert macht. Und die Figur hält auch einige Überraschungen bereit!
Einzig der große Wendepunkt ist mir zunächst zu konstruiert erschienen, zu viele Zufälle auf einmal. Das hat mich im realistisch gezeichneten Bild dieses Romans tatsächlich einfach gestört.
Auf der anderen Seite passt es auch irgendwie: Es handelt sich um eine Art von Entwicklungsroman und an dessen Ende steht, sofern er positiv verläuft, auch eine psychische Veränderung des Protagonisten. Und diese findet ihren Ausdruck hier eben in einer viel zu zufällig wirkenden äußeren Handlung, die allerdings genau diese veränderte Haltung zeigt.
Es gibt diesbezüglich auch viele subtile Bilder: Im Prinzip ist die alte Frau nicht anders als die Maus. Beide sind alleine und brauchen eigentlich jemanden. Es bereitet beim Lesen Freude, sich diese Analogien zu durchdenken. Meine Lieblingsstelle dabei ist: „Hat sie ihm [der Maus] nicht jede Gelegenheit gegeben, seine zerstörte Welt zu verlassen und für die ihm noch verbleibende Zeit einen besseren Ort aufzusuchen? Aber was ist, wenn das Tier nicht hinaus gekrochen ist, sei es nun aus Angst oder aus Hoffnungslosigkeit?“ Auch die Frau hat offensichtlich ihre zerstörte Welt verlassen, hat aber nicht einen Ort aufgesucht, bei dem sie aktiv wird und hinauskriecht - sie braucht erst einen Schubs hinaus in die Welt von der Maus.
Und die Geschichte, die sich um diesen Schubs dreht, ist absolut lesenswert! Man kann in der Geschichte problemlos versinken und verzeiht so auch gerne einen eher unrealistischen Showdown. Man freut sich sogar darüber.
Eine alte Frau, die ihre Angehörigen verloren hat, kehrt in die Stadt ihrer Kindheit und Jugend zurück. Sie wartet dort auf den Tod: Nicht, dass sie ihn aktiv herbeiführen würde. Sie wartet einfach, sie hat ihre Routinen und sie ist vor allem eines: gewollt isoliert und einsam. Aber nur solange, bis sie aus Versehen eine Maus in ihr Leben holt, deren Existenz sie nun zwingt, mit anderen Leuten Kontakt aufzunehmen, z.B. um eine Mausefalle zu erwerben.
Auch wenn das Thema (alte Frau, Einsamkeit, Verlust aller Angehörigen etc.) durchaus Potenzial für Klischees hätte, schafft es der Autor, diese inhaltlich und sprachlich zu umgehen. Der Text ist absolut gut geschrieben und liest sich schnell und flüssig.
Da es sich in weiten Teilen um ein Ein-Mann-Stück bzw. ein Ein-Frau-Stück handelt, ist der Leser mit den wenigen Handlungen der alten Frau und ihren Gedanken, Erinnerungen bzw. Beobachtungen meist alleine. Oft wird zeitdeckend geschrieben, sehr langsam und genau erzählt, oft Gleiches immer wieder erzählt (z.B. die Routinen). Weitere Protagonisten kommen erst im Laufe der Geschichte dazu, nehmen aber auch nicht so viel Raum ein und sind aufgrund der meist personalen Erzählperspektive quasi durch den Blick der älteren Frau gefiltert. Trotzdem ist es an keiner Stelle langweilig.
Die Figur der alten Frau ist sehr realistisch gezeichnet, die Charaktereigenschaften sind stimmig, der Erzählstil passt dazu. Zwar hat man an einigen Stellen Mitleid mit ihr, doch an anderen Stellen muss man durchaus auch mit ihr lächeln - aber nie über sie, was das Buch liebenswert macht. Und die Figur hält auch einige Überraschungen bereit!
Einzig der große Wendepunkt ist mir zunächst zu konstruiert erschienen, zu viele Zufälle auf einmal. Das hat mich im realistisch gezeichneten Bild dieses Romans tatsächlich einfach gestört.
Auf der anderen Seite passt es auch irgendwie: Es handelt sich um eine Art von Entwicklungsroman und an dessen Ende steht, sofern er positiv verläuft, auch eine psychische Veränderung des Protagonisten. Und diese findet ihren Ausdruck hier eben in einer viel zu zufällig wirkenden äußeren Handlung, die allerdings genau diese veränderte Haltung zeigt.
Es gibt diesbezüglich auch viele subtile Bilder: Im Prinzip ist die alte Frau nicht anders als die Maus. Beide sind alleine und brauchen eigentlich jemanden. Es bereitet beim Lesen Freude, sich diese Analogien zu durchdenken. Meine Lieblingsstelle dabei ist: „Hat sie ihm [der Maus] nicht jede Gelegenheit gegeben, seine zerstörte Welt zu verlassen und für die ihm noch verbleibende Zeit einen besseren Ort aufzusuchen? Aber was ist, wenn das Tier nicht hinaus gekrochen ist, sei es nun aus Angst oder aus Hoffnungslosigkeit?“ Auch die Frau hat offensichtlich ihre zerstörte Welt verlassen, hat aber nicht einen Ort aufgesucht, bei dem sie aktiv wird und hinauskriecht - sie braucht erst einen Schubs hinaus in die Welt von der Maus.
Und die Geschichte, die sich um diesen Schubs dreht, ist absolut lesenswert! Man kann in der Geschichte problemlos versinken und verzeiht so auch gerne einen eher unrealistischen Showdown. Man freut sich sogar darüber.