Mäusestarkes Feel-good-Buch (zum Wohlfühlen, nicht zum Denken)

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thirteentwoseven Avatar

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"Eine Maus namens Merlin" ist ein Buch, was hält, was es verspricht: Es ist eine nette Gute-Laune-Geschichte über eine alte Frau und einen kleinen Mäuserich, der wieder Licht und Freude in das graue Leben der Dame bringt. Eine nette Lektüre ohne großen Anspruch auf Logik und Nachvollziehbarkeit, dafür aber ein Garant für tierische Wendungen und ein gütliches Ende.

Die 83-jährige Mrs Helen Cartright lebt äußerst zurückgezogen alleine in einem Haus ihres Heimatortes, an den sie nach vielen Jahren zurückgekehrt ist. Ihr Mann und ihr Sohn sind bereits seit langem tot. Freunde und Bekannte hat und will sie nicht. Sie hat keine Erwartungen mehr an das Leben.Mrs Cartright geht es nicht wirklich schlecht, aber glücklich und zufrieden ist sie auch nicht. Sie lebt nur so dahin und wartet auf den Tod.

Dies ändert sich, als sie einem plötzlichem Impuls folgend ein altes Aquarium vom Sperrmüll in ihr Haus schleppt und mit ihm den Mäuserich Merlin. Der kleine Held des Buches, der bereits auf dem Cover abgebildet ist, entwickelt sich zur wahren Zaubermaus und zum "Gamechanger". Ganz zaghaft baut die alte Dame eine Bindung zu dem scheuen Tier auf und öffnet sich dadurch auch ihren Mitbürgern und Nachbarn. Wie bei "Bob, der Streuner" wird der tierische Freund zum Sonnenstrahl in einem verdunkelten und langsam ablaufenden Lebens.
Die Story hat dabei einige Schwächen.So erfährt man erst im letzten Drittel des Buches, dass die verschlossene Mrs.Cartright in ihrer aktiven Zeit eine berühmte Herzchirurgin war und über ein stattliches Vermögen verfügt. Auch ist es wenig realistisch, dass ein Verkäufer nach zwei Einkäufen bei ihr zuhause auftaucht und für ihren kranken Mäuserich ein Sauerstoffbeatmungszelt baut. Ebenso völlig unglaubwürdig ist, dass andere Personen, wie die Bibliothekarin oder ein junger Arzt nach kurzen Kontakten zu Freunden werden.

Nun gut, man weiß ja, worauf man sich einlässt, wenn man "Eine Maus namens Merlin" liest und schaltet bei solchen Passagen mal kurz den Kopf aus und lässt sich stattdessen genussvoll von dem Feel-good-Feeling umhüllen, dann ist das Buch eine wahre Freude.

4 Sterne, für alle, die Mäuse und Feel-good-Geschichten lieben.
3 Sterne, für alle Kopfmenschen, die zwischendurch einfach mal etwas Nettes lesen wollen