Nette Grundidee

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„Eine Maus namens Merlin“ von Simon Van Booy erzählt die leise, warmherzige Geschichte der 83‑jährigen Helen Cartwright, die nach Jahrzehnten im Ausland in ihren Heimatort bei Oxford zurückkehrt und dort eine unerwartete Freundschaft mit einer Maus schließt. Die Grundidee – eine einsame Witwe, die durch ein kleines Tier wieder ins Leben zurückfindet – finde ich charmant und berührend, weil sie viel Raum für Nachdenklichkeit bietet.
Gerade diese Zurückhaltung im Ton hat für mich aber auch eine Schwäche offengelegt: Die Handlung entwickelt sich sehr langsam, viele Szenen wirken gedehnt und verlieren dadurch an Spannung. Helens Alltagsroutinen, ihre Wege in Tierladen, Bibliothek oder Eisenwarenladen und die schrittweise Annäherung an ihre Nachbarn sind zwar atmosphärisch beschrieben, doch fehlt oft das erzählerische Tempo, das einen Leser mitreißt.
Der Leser erlebt immer wieder ähnliche Stimmungen und Beobachtungen, während echte Konflikte oder überraschende Wendungen selten sind. Das macht das Buch für Leser, die eine dynamische oder plotgetriebene Geschichte erwarten, schnell langatmig. Trotz der liebevollen Grundidee und einzelner berührender Momente blieb „Eine Maus namens Merlin“ für mich deshalb eher eine stille, nette, aber zäh erzählte Lektüre, die mich emotional nicht so gepackt hat, wie ich es mir gewünscht hätte.