Nichts leisten - dennoch meckern

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dasbambusblatt-ju Avatar

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"Eine Maus namens Merlin" hat mich direkt angelockt: Weil ich einen Kater namens Merlin habe, dessen Spitzname Maus/Mäuschen ist.
Die Leseprobe hat mich ebenso verzaubert.

Wie hat mir das Buch gefallen?
Leider nicht sehr gut. Ich habe es ungefähr in der Mitte abgebrochen und stehe auch zu diesem Entschluss. Zum Schreibstil kann ich zunächst sagen, dass er so manch goldenen Satz dabei hat, bei dem ich neidisch bin, ihn nicht selbst verfasst zu haben.
Aber auf Dauer ist er leider auch zu hektisch und aufgefriemelt.
Was das heißen soll? Sätze bilden stetige unruhige und nichtssagende Verbindungen (Beispiel, frei aus meiner Feder und nicht aus dem Buch!): Sie beschloss, erst einmal einen Toast zu machen. Sie stand auf, ging in die Küche, suchte sich eine Scheibe Toast aus der knisternden Packung, nahm die Scheibe und steckte sie in den Toaster. Der Geruch verbreitete sich in der Küche.
Wie oben erwähnt, ist genau dies auf Dauer sehr anstrengend zu lesen. Zwar bin ich als Autorin immer dafür, auch nicht gradlinige Details oder Szenen einzubauen, aber man muss Szenen auch verkürzen. Oder auch nicht, wenn man ansonsten nicht auf die Mindestanzahl Worte kommt.

Abgebrochen habe ich aber hauptsächlich wegen Helen - der Protagonistin - selbst. Sie ist sehr weltfremd (und ich meine nicht ihren Kummer). Früher, das waren noch Filme! Im Krieg hat man für Manieren gekämpft (Gehirnwäsche in Perfektion), das sind Aussagen, die kann ich noch ignorieren.
Aber sie ist schon auf diese Art weltfremd, dass sie Teewasser zweimal aufkocht (sollte man nicht machen); sie noch nie ein Nagetier vom Nahen gesehen hat; nicht weiß, dass Katzen ihren Besitzern tote Mäuse bringen, weil sie den Besitzern wie einer Kitte das Jagen beibringen wollen (aber sie verurteilt diesen Akt, trotz eigener Handlungen) und sie wirft noch warme Teebeutel in den Müll (sollte man auch nicht machen). Und dann verurteilt sie andere.
Natürlich soll das ihr Charakter sein, aber ich kann auch nur eine Geschichte lesen, mit der ich mich wohlfühle und ich fühle mich nicht mit einem Charakter wohl, der eine ekelhafte Fallenart verwenden will, um "das Vieh" loszuwerden, von dem sie dann doch erstaunt ist, dass es denkt und fühlt. Über solche Zeiten sind wir hinweg. Der Verkäufer weist sie sogar darauf hin, wie qualvoll diese Methode ist, aber sie rechtfertigt sich mit "es könnte ja einfach fliehen".
Die Hutschnur nach allem ist mir geplatzt, als sie meinte, dass ehrenamtliche Mitarbeiter meistens inkompetent seien. Ich arbeite ehrenamtlich, wir haben genügend Kompetenz. Das muss ich mir von einem Buchcharakter nicht anhören, der die Welt um sich herum nicht versteht und anscheinend auch nichts geleistet hat.
Natürlich, ich höre jetzt die Leute schon reden, die meinen "oh fühlt sich jemand auf den Schlips getreten?" Kurze Antwort: Ja. Lange Antwort: Das Buch hat mir die ganze Zeit keine Freude bereitet. Zumindest nicht ab dem Punkt, da ich über der Leseprobe hinaus war. Ich bin mit Helen nicht warmgeworden und hätte das Buch schon nach besagter Falle am liebsten abgebrochen, aber ich war neugierig. Ich verstehe ja auch, dass sie in einer Extremsituation ist.
Das hier war nur der letzte Tropfen.

Empfehlung? Nein. Weder die Protagonistin noch die Art des Schreibens. Sehr schade, die Grundidee fand und finde ich wirklich toll.