Von der heilenden Wirkung guter Nachbarschaft

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Helen Cartwright ist über 80 Jahre alt und kennt niemanden, als sie nach 60 Jahren in Australien in ihren Heimatort nahe Oxford zurückkehrt. Ihr verstorbener Mann Leonard und Sohn David waren nie in England und hatten keinen Bezug zum Land. In ihrem Alter scheint Helen für andere Menschen unsichtbar zu sein, obwohl sie im Geheimen auf einen großen Sturm wartet, „der alles mitreißen würde“. Als die alte Dame im Sperrmüll der Nachbarn ein heruntergekommenes Glasaquarium mit einigen kleinen Spielzeugen darin findet, erinnert sie das nicht nur an Davids Kindheit, sondern bringt ihr die Maus Merlin ins Haus. Helens Gedanken wandern zur Zeit der Bombenangriffe auf London und zu ihrem kriegsversehrten Vater. Körperlich wirkt sie einerseits athletisch, wenn sie optimistisch in eine Badewanne steigt, aber ein 30-Minuten-Weg zum Einkaufen fällt ihr zunehmend schwer.

Die Maus im Haus, die kurzerhand Helens Küche in Besitz nimmt, wird aufgrund ihrer Dreistigkeit zum etwas älteren Mäuserich erklärt, den Helen dringend wieder loswerden will. In Mausangelegenheiten marschiert Helen ins Eisenwarengeschäft, registriert sich in der Bibliothek und erstaunt Van Booys Leser:innen, mit wie vielfältigen Menschen außerhalb ihres Häuschens sie plötzlich Kontakt knüpft. Auch andere Menschen haben – wie Helen – offenbar dringend jemanden gebraucht, mit dem sie ihre Gedanken und Erinnerungen teilen können. Ein unerwartetes Ereignis lässt Helen zu Hochform auflaufen und sie verblüfft mit ihren Kompetenzen und Kontakten alle, die in ihr nur eine exzentrische alte Frau gesehen haben.

Fazit
In kurzen Kapiteln erzählt Simon Van Booy schlicht und warmherzig ein modernes Märchen von der Zauberwirkung einer Büchereikarte und der heilenden Wirkung guter Nachbarschaft.