Von Einsamkeit, Hoffnung und einer Maus namens Merlin

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annnnnnna Avatar

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War’s das? Genau diese Frage stellt sich die 83-jährige Helen Cartwright. Sechzig Jahre hat sie in Australien gelebt, nun ist sie allein in ihre Heimatstadt nahe Oxford zurückgekehrt. Sie lebt zurückgezogen, hat kaum Kontakt zu anderen Menschen und ihren Alltag auf das Nötigste reduziert. Ihr Mann Leonard ist gestorben, ihr Sohn David ist ihm später durch einen Unfall gefolgt.

Helen führt ein stilles, ruhiges Leben. Die Tage folgen einer festen Routine, Begegnungen sind selten geworden. Vieles hat sie auf das Nötigste reduziert. Fast alles ist ruhig geworden.

Ein kleines heimliches Highlight bleibt ihr jedoch: Sie durchstöbert den Müll der Nachbarn auf der Suche nach kleinen, vergessenen Schätzen. Und genau dort begegnet sie Merlin, einem kleinen Mäuserich, der ihr Leben ganz unerwartet wieder in Bewegung bringt.

Simon Van Booy spricht in diesem Buch genau das an, wovor viele Menschen Angst haben: die Einsamkeit im Alter. Besonders berührt hat mich, wie seine Protagonistin Helen ihre Situation mit nüchterner Klarheit betrachtet und dabei doch nie verbittert wirkt.

Was mich besonders beeindruckt hat: Helen verklärt nichts und beschönigt nichts. Aber sie klagt auch nicht. Ihr ruhiges, sachliches Wesen spiegelt nicht nur ihren Hintergrund als ehemalige Kardiologin, sondern auch eine bemerkenswerte Akzeptanz ihres Lebens.

Themen wie Einsamkeit, Freundschaft und leise Zuversicht finden hier auf eine sehr zarte und bewegende Weise ihren Platz.

Ich ziehe meinen imaginären Hut vor diesem stillen, aber zutiefst berührenden Buch und bin dankbar, Helen ein Stück auf ihrer Reise zu sich selbst begleitet zu haben. Manchmal braucht es eben nur eine kleine Maus, um ein Leben, das längst still geworden schien, wieder sanft in Bewegung zu bringen.