Von wegen 'nur vorübergehend'....

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swansea Avatar

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Helen Cartwright (83) ist vor drei Jahren vom anderen Ende der Welt zurück in ihre Heimat gezogen. Sie erwartet nicht mehr viel von ihrem Leben, denn ein Tag gleicht dem nächsten wie ein Ei dem anderen. Auch lebt sie sehr isoliert und ohne jeglichen Kontakt; in ihrem neuen Zuhause gab es noch nie Besuch. Allerdings hat Helen eine (gute) Eigenschaft: Sie ist neugierig (geblieben) und schaut, was ihre Nachbarn so entsorgen: Eines Tages entdeckt sie ein altes Aquarium und Spielzeug, das sie an ihren Sohn David erinnert (auch wenn man Fotos zerrissen und mit der Vergangenheit abgeschlossen hat, holen einen die Erinnerungen immer wieder ein).

Sie hört abends Geräusche, weniger die eines Einbrechers als die von einem kleinen, ängstlichen Wesen, das an der Tür stünde und um Einlass bäte - es ist der Tag, an dem sich ihr Leben (positiv) ändern sollte...

Wie sich herausstellt, handelt es sich um eine Maus bzw. einen Mäuserich, der mit den alten Sachen ins Haus kam. Da Helen ein gutes Herz hat (obwohl sie als Erstes in einem Eisenwarengeschäft, das Cecil führt, den man später noch im Roman kennenlernt, nach Mäusefallen fragt), gibt sie der Maus, die in ihrer Spüle "Unterschlupf" findet, später in einer Pastetenschachtel und noch viel später in einem Pantoffel mit Schottenmuster, ein paar Haferflocken und einen Limodeckel voller Wasser. So sieht dann auch das erste Zusammentreffen der beiden aus, als "Merlin", wie sie den Mäuserich nennt, auf den Hinterpfoten stehend (und kein bisschen ängstlich wirkend, ;) an einer Haferflocke knabbert...

Helen nimmt aus der Bibliothek ein Buch über Mäuse mit (mit dessen Inhalt auch der Leser einiges an interessanten Fakten über Mäuse lernt) und "Merlin", der wie durch Zauberhand in ihr Leben trat, hat es richtig gut bei Helen: Es gibt tolles Mäusefutter, morgens Radio- und abends TV-Sendungen, die Helen ihm erklärt. Bis eines Tages der kleine Kerl unter Atemnot leidet. Doch Helen, einst eine bekannte Kardiologin, wendet sich berufserfahren an Dr. Jamal, der sich des kleinen Patienten ebenfalls annimmt. Die Tierarzthelferin, die "zu nichts nutze" war, bringt sogar per Motorradkurier persönlich Medikamente für Merlin aus Oxford und Cecil (der sympathische und hilfsbereits Eisenwarenhändler) baut ein Sauerstoffzelt für Merlin. Zusammen schaffen sie es, dass die Maus sich erholt. Bis Dr. Jamal, Cecil, die Bibliothekarin und deren Sohn bei Helen auftauchen und im Garten gemeinsam verweilen, um die Genesung Merlins standesgemäß zu feiern. Leider muss Helen später jemand die Botschaft überbringen, dass Merlin bei dieser Zusammenkunft verschwunden ist - und Helen's Welt demzufolge zusammenfällt: Werden sich die beiden wiedersehen?

Der Stil von Van Booy ist sehr eingängig, humorvoll, leicht und flüssig zu lesen. Die Geschichte sehr berührend und schön, da sich das Leben einer recht einsamen alten Dame durch die Gesellschaft einer kleinen Maus auf wundersame und positive Weise veränderte! Die Themen sind Einsamkeit im Alter, Freundschaft und Zuneigung zu einem kleinen Wesen, das doch zu Großem führen kann und das Leben von Helen bereichert hat, mit Sinn erfüllte.

Die Botschaft besteht darin, dass neue Aufgaben und Verantwortung das Dasein auch in sehr hohem Lebensalter (aus)füllen können und neuen Lebensmut und Freude bringen können; das Romanende wartet dann noch mit einer besonders schönen Pointe auf: Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, weshalb ich ihn gerne weiterempfehle, im Besonderen SeniorInnen und deren Angehörige, die mit dem Leben bereits abgeschlossen haben: Eine zweite Chance kann es in jedem Leben geben, wenn man es zulässt! 4,5 *