Spannende Leseprobe mit Übersetzungsproblemen

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Die Leseprobe zu Samantha Hayes Thriller „Eine zu viel“ fesselt von der ersten Seite an. Der Einstieg ist geschickt konstruiert: Der Prolog wirft den Leser direkt hinein in ein schauriges Szenario an einem abgelegenen schottischen See, bei dem ein Leichnam geborgen wird. Die Information, dass einer der Anwesenden tot und ein anderer der Mörder ist, sorgt sofort für eine enorme Grundspannung. Der anschließende Zeitsprung führt uns zu der Familie Hunter, die zu einem zehntägigen Urlaub in einer abgelegenen Waldhütte zusammenkommt. Schnell wird klar, dass hinter der scheinbar idyllischen Fassade tief sitzende Konflikte, unausgesprochene Geheimnisse um das Testament des verstorbenen Vaters und unterschwellige Spannungen zwischen den Charakteren brodeln.
Die Sprache des Buches ist flüssig, bildhaft und sehr atmosphärisch. Hayes versteht es hervorragend, die düstere und regnerische Stimmung Schottlands so zu beschreiben, dass man die feuchte Kälte förmlich spüren kann. Auch die Dynamiken und die feinen Nuancen in den Beziehungen der Familienmitglieder werden durch präzise Beobachtungen sprachlich greifbar transportiert.
Einziger negativer Punkt ist leider die Übersetzung. Schon im ersten Satz stolpert man über das Wort „herab“.
Ja, im englischen heisst es „it poured down“ aber von einer professionellen Übersetzerin hätte ich erwartet, das hier nicht einfach wörtlich sondern sinnerfassend übersetzt wird.
Nach dem Ende dieser Leseprobe ist mein Interesse, das Buch weiterzulesen, definitiv geweckt. Man möchte unbedingt erfahren, welches Geheimnis die Mutter hütet, welche Eifersüchteleien die Paare belasten und vor allem, wer am Ende das Opfer und wer der Täter sein wird.