Geheimnisse lohnen sich nicht
Familiengeheimnisse lassen sich nicht wegradieren, sie kommen irgendwann doch noch ans Tageslicht und vielleicht genau dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Der Thriller beschäftigt sich nach dem Tod des Familienvaters genau mit diesem Dilemma. Die Witwe und die drei Kinder kommen mit ihren Familien für ein paar Tage in ihrem Ferienhaus zusammen, um zu trauern. Die Stimmung ist sehr gut dargestellt und wechselt sprunghaft von traurig, wütend, beschuldigend und steigert sich zunehmend bis zur Eskalation. Das Setting ist so ausgewählt, dass die Familienmitglieder die meiste Zeit zusammen verbringen, somit sind Konflikte vorprogrammiert und es kommen Geheimnisse ans Tageslicht, Beschuldigungen werden ausgesprochen, Vermutungen wirken im Hintergrund mit und das Testament gießt dazu nochmals Öl ins Feuer. Mir gefallen vor allem das Setting und die Leseatmosphäre, die sich in der Spannung steigert und hochschaukelt sehr gut. Die einzelnen Charaktere haben ebenso genügend Platz und Raum, um sich persönlich zu entwickeln, das bemerkt man im Verlaufe des Zusammentreffens und am Ende verschieben sich Zuständigkeiten, manche gehen gestärkt aus der Situation heraus, andere bekommen einen Dämpfer. Vor allem die Jugendlichen machen einen Entwicklungssprung auf sozialer und emotionaler Ebene. Am Ende gibt es noch eine spannende Wende und einen Schockmoment, aber mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.