kein lauter Roman

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Mit Elbland ist Claudia Rikl ein feinfühliger, leiser Roman gelungen, der lange nachhallt. Schon auf den ersten Seiten spürt man die Schwere, die auf Nina lastet: Der Tod ihrer Mutter Irma bedeutet nicht nur Abschied, sondern auch eine verstörende Form von Freiheit. Diese Ambivalenz – Trauer und Erleichterung zugleich – zeichnet Rikl mit großer Empathie und psychologischem Gespür.

Die Reise ins tschechische Riesengebirge und nach Böhmen wird dabei mehr als nur ein Ortswechsel. Die Landschaft wirkt wie ein Spiegel von Ninas Innenleben: rau, weit, von Erinnerungen durchzogen. Besonders gelungen ist die Art, wie Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen. Stück für Stück entfaltet sich, was einst zwischen den Familienmitgliedern unausgesprochen blieb.

Sprachlich überzeugt der Roman durch eine ruhige, poetische Tonlage. Rikl schreibt atmosphärisch dicht, ohne pathetisch zu werden. Manche Passagen verlangen Geduld, weil sie sich Zeit für Zwischentöne nimmt – genau das macht jedoch den Reiz aus.