Beeindruckend und berührend – eine besondere Entdeckung

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sternzauber Avatar

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„Elbland“ von Claudia Rikl hat mich sehr begeistert und auch das Cover dieses Buches mag ich sehr gerne. Einen direkten Zusammenhang mit der Geschichte kann ich zwar nicht erkennen, aber ich die natürliche Gestaltung in Grün- und Brauntönen mit den leuchtend gelben Blumen ist unglaublich kraftvoll und schön. Dazu passen Titel und Autorinnenname hervorragend und es ergibt für mich ein stimmiges, sehr schönes Gesamtbild, das zum Lesen einlädt.

Erzählt wird die Geschichte von Nina, die sich nach dem Tod der Mutter plötzlich völlig verloren fühlt. Jahrelang hatte sie sich um diese gesorgt und gekümmert, sich immer nach Freiheit gesehnt, doch nun kann sie diese überhaupt nicht annehmen. Spontan fährt sie ins Riesengebirge, wo die Familie vor vielen Jahren ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbrachte und versucht auf den Spuren ihrer Mutter, die dort geboren wurde, zu ergründen, was diese erlebt hat und warum ihre Familie auseinander brach. Kann sich Nina der Vergangenheit stellen und auch herausfinden, wer sie selber eigentlich ist?

Claudia Rikl ist es in diesem Buch, das von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert wurde, gelungen, mich völlig zu fesseln und in ihren Bann zu zeihen. Ich kannte die Autorin bisher nicht, wurde aber vom Klappentext angezogen und habe mich sofort in die feine, poetische und teils wunderschöne Sprache dieser Geschichte verliebt. Ich mag ihre Art zu erzählen ausgesprochen gerne und habe auch Nina sehr schnell in mein Herz geschlossen. Die ProtagonistInnen der Geschichte wirken auf mich sehr authentisch und werden individuell gezeichnet, was sie lebendig und lebensnah macht. Ich konnte ihre Zerrissenheit, ihre Trauer, ihre Verlorenheit und das Unverständnis beim Lesen so gut spüren, genau, wie all die anderen Gefühle, die in dieser prallen Geschichte eine so wichtige Rolle spielen.

Die Autorin macht es ihren Figuren nicht leicht, sondern lässt sie all das Leben, all die Gefühle, all die Vergänglichkeit aushalten, durchkämpfen und durchleiden. So ist es auch für uns LeserInnen nicht immer leicht die Geschehnisse auszuhalten, aber es lohnt sich absolut und mich hat diese Tiefe sehr begeistert. Aber es geht bei Weitem nicht nur um Schwieriges und Belastendes und es ist wunderschön Nina in ihrer Entwicklung begleiten zu dürfen. Claudia Rikl erzählt auf zarte und leise weise, verpackt darin jedoch Großes, Persönliches und Geschichtliches, das auch heute (wieder) sehr relevant ist. Zusätzlich zu all der Lesefreude habe ich so auch von Umständen im damaligen Böhmen erfahren, die mir bisher nicht bekannt waren und konnte dazu lernen, was ich als sehr bereichernd empfunden habe.

Berührt hat mich außerdem die Widmung des Buches, die insbesondere an die Großmutter der Autorin geht und die mit einem Foto dieser Frau geziert wird. Der persönliche Bezug ist in diesem Werk sehr gut zu spüren und vielleicht macht das auch einen Teil der Intensität der Geschichte aus. Für mich ist „Elbland“ jedenfalls eine ganz besondere Entdeckung, die mich tief berührt hat und auch sicherlich nachklingen wird. Ich empfehle dieses Buch von Herzen allen LeserInnen, die sich mit Nina auf die Reise machen wollen – in die Vergangenheit ihrer Familie und zu sich selbst! Viel Freude dabei!