Berührende Story

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»Sie sammelt Kraft. »Meine Mutter war Sudetendeutsche.« Das Wort klingt trotzig, derb. Nach Draußenstehen, nach Fremdsein.« (Seite 165)

Als Irma stirbt, begibt sich Nina, eine ihrer beiden Töchter, auf Spurensuche, die auch ein bisschen die Suche nach ihr selbst beinhaltet, nachdem sie sich jahrelang verpflichtet gefühlt hat, Irma beizustehen, sodass ihr eigenes Leben auf der Strecke blieb. Zeit ihres Lebens war die Mutter stumm, was ihre Kindheit betrifft, ihre Heimat in Böhmen Nina unbekannt. Wer war die Frau, die zwei Kinder großgezogen hat und ihnen dennoch bis zuletzt fremd geblieben ist?

»Zweiunddreißig Jahre, in denen Nina allein mit einer unlösbaren Aufgabe zurückgeblieben war: dafür zu sorgen, dass Mutti ihr Leben erträgt.« (Seite 37)

Der Autorin Claudia Rikl ist mit dem vorliegenden Buch etwas gelungen, was selten bei mir geschieht. Sie hat es geschafft, die Gefühlslage der Hauptfigur so abzubilden, dass diese auf mich abfärbte. So habe ich zu Beginn des Romans eine Distanz verspürt, die Nina zueigen ist, die anfangs sogar dazu geführt hat, dass ich mich abgekoppelt fühlte, obwohl die Geschichte doch ziemlich emotional ist. Dies war wichtig und richtig, um zu verstehen, wie einschneidend die Kindheit der Mutter war, welche Auswirkungen deren Erlebnisse besonders auf die ältere Tochter hatten, aber natürlich auch die Jüngste.

»Da ist auch eine Traurigkeit, die tiefer ist als die, die sie in den letzten Tagen gespürt hat, größer, monströser. Schmerz, der nicht ihrer ist und doch immer da war, der nie heilen konnte. Der verborgen liegt im tiefen Graben ihrer Vorgeschichte.« (Seite 239)

Erst im weiteren Verlauf wurde ich mit der Erzählung warm, habe zusammen mit Nina das Geheimnis ihrer Mutter gelüftet, erfuhr Fakten und Hintergründe, war bewegt, erschrocken, traurig und wütend, aber oft auch den Tränen nah. Je näher sich Nina der Lösung näherte, desto mehr bewegte mich der Roman, aus Abstand wurde Nähe, mit dem Verstehen kam letztendlich Akzeptanz. Kurz vor dem Finale war ich total aufgelöst, das Ende ließ mich weinend lächeln, nun waren Nina und ich am Ziel. Gerne empfehle ich dieses wunderbare Buch weiter.