Das Ende einer Familie

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tochteralice Avatar

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Ein Roman, über den ich definitiv nicht sagen kann, dass er schön ist oder mir gefällt, obwohl ich die Lektüre als ausgesprochenen Gewinn betrachte. Der Grund ist, dass dieses Buch so überladen ist mit Schmerz und Verdrängung, dass vielen der etwas älteren Leser:innen unweigerlich die eigene Familiengeschichte in den Sinn kommt.

Das klingt jetzt so harmlos, aber man sollte sich überlegen, wie viele unserer Elternteile den Großteil ihres Lebens in Orten oder gar Ländern verbracht haben, die andere sind, als diejenigen, in denen sie geboren wurden. Oft sogar weit davon entfernt.

Nina verbindet einen Schlüsselmoment in einer solchen Gegend, die die eigentliche Wiege ihrer Familie mütterlicherseits ist, mit dem Auseinanderbrechen ihrer Familie, obwohl diese Reise eigentlich als Urlaub gedacht war, damals, im Jahr 1987.

Jahrzehnte später, nach dem Tod ihrer Mutter, kehrt sie zurück an den Ort, über den sie eigentlich nichts weiß, ebenso wenig wie über die Familie ihrer Mutter und fängt an zu fragen. Endlich, könnte man sagen, aber wie so viele Menschen der Generation "Kriegskind" gab es für sie von der Mutter keine Antworten.

Auch wenn meine Familie - beide Elternteile stammen aus verschiedenen Ländern Nordosteuropas und sind Jahre nach dem Krieg im Rheinland gelandet - durchaus erzählt hat und ich auch die meisten Verwandten kenne, verstehe ich Nina nur zu gut. Denn das Wichtigste ist das, was nie gesagt wurde.

Wie Nina versuche ich gemeinsam mit meiner jüngeren Schwester den Dingen auf den Grund zu gehen, wie sie stoßen wir auf vieles, das uns völlig neu ist.

Ein Roman über Vertreibung, der auch die Nachkommen von Geflüchteten berühren wird. Ein großartiges, kraftvolles und mutiges Buch, das einigen von uns, die noch zögern, selbst aktiv zu werden, um der Familienhistorie auf den Grund zu gehen, auf die Sprünge helfen könnte!