Dramatische Familiengeschichte

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meryl1949 Avatar

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Das Buchcover sagt nichts über diese Familiengeschichte aus. Dabei ist Claudia Rikl mit "Elbland" ein sehr emotionaler Roman gelungen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht für mich die Szene, in der der kleine Bruder in den Armen seiner Schwester Irma stirbt. Selbst noch kein Schulkind, versteht sie zunächst nicht, was passiert ist.

Irma hat eine schöne und behütete Kindheit in Böhmen, bis der Vater in den Krieg ziehen muss und ihre deutsche Familie 1945 aus der Idylle vertrieben wird. Die Mutter und ihre beiden Kinder werden zunächst interniert. Aufgrund von Hunger, schwerer Arbeit und mangelnder Hygiene erkranken sie alle unterschiedlich schwer.

Infolge des Todes des geliebten Bruders erleidet Irma ein schweres Trauma, das sie das weitere Leben begleitet. Obwohl sie eine Familie gründet und zwei Töchter zur Welt bringt, kann sie das Erlebte nicht verarbeiten, sie verschließt sich immer mehr, die Familie zerbricht schließlich.

Nach ihrem Tod stellen sich der Familie viele Fragen, da Irma nie über ihre Herkunft sprechen konnte. Auch über die belastenden Erlebnisse hat sie nie auch nur ein Wort verloren. Um zu verstehen und mit der Vergangenheit abzuschließen, besucht Tochter Nina die Heimat ihrer Mutter in Tschechien. Dort trifft sie sehr liebe und hilfsbereite Menschen, die ihr ans Herz wachsen.

Die Autorin beschreibt diese Geschichte sehr anschaulich und einfühlsam. Der Roman fesselt von der ersten bis zur letzten Seite

Obwohl der Schreibstil fesselnd und korrekt ist, unterläuft der Autorin ein schwerer Fehler auf Seite 61. In der DDR zur Schule gegangen, hat Claudia Rikl mit Sicherheit gelernt, dass das Wort erinnern ein rückbezügliches Verb ist. Warum dann diese aus dem Englischen übersetzte Ausdrucksweise "Nina erinnert Hände..."? Dieser Wermutstropfen musste in diesem wichtigen Buch nicht sein.