Ein leiser, nachdenklicher Roman ...

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„Was uns am meisten schmerzt, sind verpasste Gelegenheiten.“ (S.226)

ELBLAND
Claudia Kikl
ET: 12.03.26
Ninas Mutter Irma ist gestorben – und mit ihr verschwindet nicht nur ein Mensch, sondern auch ein Stück Halt. Zurück bleibt eine ungewohnte Leere, aber auch eine Freiheit, die sich eher befremdlich als erleichternd anfühlt. Jahrelang hat Nina ihr Leben einfach weitergeführt, vieles hingenommen und verdrängt. Jetzt steht sie vor der Frage, wie es für sie weitergehen soll.

Um Abstand zu gewinnen, reist sie ins Riesengebirge nach Tschechien – an einen Ort, der einst für unbeschwerte Familienmomente stand. Dort beginnt sie, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Alte Erinnerungen tauchen auf, lange verdrängte Fragen drängen sich in den Vordergrund: Was ist damals wirklich passiert? Warum wurde so vieles nie ausgesprochen? In dieser stillen Umgebung begibt sich Nina auf eine vorsichtige, aber intensive Suche – nach Antworten, nach ihrer Mutter und letztlich auch nach sich selbst.

Der Roman entfaltet eine ruhige, aber eindringliche Atmosphäre, die lange nachwirkt. Im Zentrum stehen die Beziehung zwischen Mutter und Tochter sowie die Spuren, die unausgesprochene Erlebnisse hinterlassen.

Obwohl ich nicht vollständig mit der Protagonistin warm geworden bin, wirkt ihr Verhalten durchgehend authentisch und in sich stimmig. Besonders eindrucksvoll zeigt die Geschichte, wie sich ungelöste Konflikte und unausgesprochene Wahrheiten über Generationen hinweg fortsetzen können.

Der Roman erzählt diese Themen auf eine zurückhaltende und feinfühlige Weise, ohne dabei an Tiefe zu verlieren.

Fazit:
Ein leiser, nachdenklicher Roman über familiäre Prägungen, verdrängte Vergangenheit und die Suche nach Antworten.
4½/5